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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
228
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228 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.

herrschende Rolle. Durch Soederbaums Biographie ist uns dergroße schwedische Forscher, dessen Genie sich durch die drückendstenäußeren Umstände hindurch Bahn zn brechen imstande war, weitnäher gerückt worden, obwohl ein besonders wichtiger Teil seinesBriefwechsels der Publikation einstweilen noch entgegeuharreu muß.Zunächst allerdings werden wir erfahren, daß eine unhaltbare undin Fraukreich bereits einigermaßen überholte Lehre gerade durchBerzelius noch vor dem Untergange geschützt worden ist, so daßsich hier also eine gewaltige Kraft in nutzlosem Niugeu gegen einnicht mehr abwendbares Verhängnis erschöpfte. Wäre es dem Ge-schichtschreiber vergönnt, überall die geheimsten Triebfedern undLeitmotive aufdecken zu könuen, so würde er vielleicht finden, daßgerade in einer Epoche, in welcher der Geist des Exakten seinehöchsten Triumphe feierte, der naturphilosophische Zeitgeist dochuicht ohne allen Einfluß auf Diejenigen war, die ihrem Kausalitäts-bedürfnis durch Nachdenken über die einer empirischen Behandlungunzugänglichen Grundfragen Rechnung tragen mußten. Lavoisier hatte das Phlogiston entthront und die feststehende Meinung ent-kräftet, daß es einen gewissen universalen Grundstoff gäbe, der,mit den verschiedensten Körpern in Verbindung tretend, diesechemisch verändere. Allein es wird sich nicht in Abrede stellenlassen, daß der Begründer der Antiphlogistik dafür einen anderenElementargeist ", wie sich die alchymistische Schnle ausgedrückthaben würde, auf den Thron erhoben hatte, den das Phlogistonräumen mußte. Lavoisiers Theorie der Salze, wie wir sie kennengelernt haben, wird zur Rechtfertigung dieser uuserer Behauptunggenügen; es sollte überhaupt keinen Akt interner Körperveründerunggeben, bei dem nicht irgendwie der Sauerstoff im Spiele war.Sachlich lief auf dieselbe Grundbestimmnng hinaus die zeitweiselebhaft ventilierte Hypothese des Engländers W. Prout (1786 bis185V), welcher zufolge der Wasserstoff die eigentliche Urmateriein der Körperwelt sein sollte. Dieselbe hat nicht wenige Anhängergefunden, denn das spezifisch leichteste aller Gase, auf dessen spezi-fisches Gewicht als Einheit alle übrigen Gasdichten bezogen zuwerden pflegen, erschien wiederum in jener halbmystischen Ver-klärung, die ja auch dem Phlogiston eigen gewesen war. Prout