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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Das dualistische System von Berzelius .

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hielt dafür, daß, wenn man nur das Atomgewicht des Wasserstoffsgleich 1 setze, die Atomgewichte aller übrigen Elemente durch ganzeZahlen ausgedrückt werden könnten, allein diese Thatsache hat sichnicht als solche bestätigt. Neben dem Belgier I. S. Stas (1813bis 1891), der erst später an diese Dinge herantrat, war be-sonders Berzelius an der Widerlegung der Proutschen Hypo-these beteiligt.

Die theoretischen Ansichten, welche der zwischen 1820 und 1840den größten Einfluß auf seine Wissenschaft ausübende Chemikersich zu eigen gemacht hatte, sind zwar schon in srüher erschienenenAbhandlungen niedergelegt, erhielten ihren Abschluß aber erst ineinem französisch geschriebenen Buche aus dem Jahre 1819, dessenZweck es war, den Gnlvanismus als den für die Chemie maß-gebendsten Faktor zur Geltung zu bringen. Es sind zwei entgegen-gesetzte Elektrizitäten vorhanden, und folglich ist Berzelius 'System ein dualistisches. Zwei vorher voneinander getrennte Atomegehen dann eine engere Verbindung miteinander ein, wenn ihreelektrischen Eigenschaften dazn angethan sind; das hatte Davywohl auch angedeutet, aber er hatte es eben, wie auch sonst nichtganz selten, bei bloßen Andentungen bewenden lassen, und einegenaue Erklärung des Herganges wurde bei ihm vermißt. Ber-zelius war ein Gegner der Annahme, daß bloßer Kontakt elektrischeKraft auszulösen vermöge; die Elektrizität ist an und für sich inden Körpern, in ihren Grundbestandteilen enthalten, nnd zwargiebt es Atome, die jeweils vorwiegend mit positiver und negativerElektrizität geladen sind. So kommt die bekannte Spannungs-reihe zustande, in der jeder einfache Körper seinen besonderenPlatz einnimmt. Am einen Ende steht ein elektropositiver, amanderen Ende ein elektronegativcr Körper, und wenn man vondiesem aus zuerst zum Körper und unmittelbar darauf zumKörper k fortschreitet, so ist damit gesagt, daß a, in höherem Gradeelektronegativer als b ist. Das damit gekennzeichnete Verhaltenist kein absolut unveränderliches, da auch die Temperatur einenbestimmenden Einfluß äußert. Wenn nun zwei Elemente sich ver-binden, deren eines wesentlich elektropositiv und deren zweiteswesentlich elektronegativ ist, so tritt ein Ausgleich der beiden Elek-