230 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.
trizitäten ein, der kalorische und optische Begleiterscheinungen her-vorrufen kann; zwei feste Körper unterliegen nicht der Möglichkeiteiner solchen Vereinigung ihrer Atome, weil diesen erst jenes Maßfreier Beweglichkeit mitgeteilt sein muß, wie es der tropfbar- undder elastisch-flüssige Aggregatzustand mit sich bringt. In derchemischen Verbindung sind also die zuvor — wenn anch nicht imstrengsten Wortsinne — unipolaren Atome apolar geworden,aber es kann ihnen die ursprüngliche Polarität dadurch zurück-erstattet werden, daß man den galvanischen Strom anwendet.Wie aber soll man sich den Umstand zurechtlegen, daß eine auszwei Bestandteilen a und k zusammengesetzte Verbindung als solchezu existieren aufhört und zersetzt wird, sobald ein dritter Körper emit ihr in Berührung kommt? Nun, o wirkt eben elektrisch sowohlauf a als auf d ein, und wenn diese von o auf s. geübte Wirkungstärker als die von d auf s, geübte ist, so sagt sich » von demZusammenhange mit d los und folgt dem mächtigeren Zuge gegen e.„Hieraus folgt," so sagt Berzelius — in seinem „Lehrbnch derChemie" (1845) — wörtlich, „daß jeder zusammengesetzte Körper,welches auch die Anzahl seiner Bestandteile sein mag, in zwei Teilegetrennt werden kann, deren einer positiv, deren anderer negativelektrisch ist." Die Terminologie, welche das neue elektrochemischeSystem notwendig brauchte, kam ihrem Geiste nach mit derjenigenüberein, welche die französischen Antiphlogistiker erwähntermaßenunter Lavoisiers Ägide ausgebildet hatten. Die Agentien, welcheman sich später als Kräfte anzusprechen gewöhnte, sind impon-derable, die sinnenfällige Materie enthalt nur ponderable Körper.Oberflächlich vereinigt, ergeben diese letzteren Lösungen und Ge-menge; eine intime Verbindung entsteht, wenn Elemente zuVerbindungen zusammentreten. Sauerstoffverbindungen könnenals Oxyde oder auch als Säureu erscheinen; man sieht, daßBerzelius in den reiferen Jahren, aus denen fein Hauptwerkstammt, der lange festgehaltenen Sänrentheorie ebenfalls Valetgesagt hatte. Das festeste Andenken bei der Nachwelt hat sichjedoch der geniale Mann dadurch geschaffen, daß er eine chemischeZeichensprache von der größten Einfachheit, Folgerichtigkeit undVerwendbarkeit einführte. In den sechzig Jahren, die seitdem ver-