Kern- und Typentheorie.
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zurückzuführen. Untrennbar von Laurent ist der Elsässer K. Ger-hardt (1816—1855), ein Schüler der deutschen Universitäten undnamentlich Liebigs, später in Montpellier, Paris und Straßburg thätig. Zwischen den beiden genannten Männern bestand die leb-hasteste geistige Wechselwirkung, und es ist vielleicht unmöglich,schars zu trennen, was dem einen und dem anderen als geistigesEigentum angehört. Nach Laurent hat man die der Substitutionunterworfenen Radikale, für die damals auch die deutsche Be-zeichnung Kerne auftauchte, in ursprüngliche und abgeleitetezu sondern; in erstere geht ausschließlich Kohlenstoff und Wasserstoffnach einfachen Atomverhältnissen ein, während sich die Radikalezweiter Art dadurch bilden, daß dem Wasserstoff andere Körpersubstituiert werden, die nicht notwendig Elemente zu sein brauchen,sondern auch andere Radikale sein können. Diese neuere Nadikal-oder Kerntheorie nahm demnach den Radikalen die Eigenschaft derUnveräuderlichkeit, stellte aber eine nene Schranke zwischen an-organischen und organischen Körpern her, indem nnr für die letzterendie Möglichkeit einer solchen Ersetzbarkeit bestehen sollte. Dieseerste Formulierung der Kerntheorie begegnete sowohl bei Berzeliuswie nicht minder bei Liebig entschiedenster Gegnerschaft, hatteaber unter allen Umständen das Verdienst, eine erneute und tiesergehende Erörterung über die prinzipiellen Fragen in Anregunggebracht zu haben. Zunächst warf 1839 Dumas mit seinerTypen lehre einen neuen Streitapfel in die Arena. Da dasWort Typus nicht immer in gleichem Sinne gebraucht ward, sostellt man wohl Dumas ' ältere Typentheorie der jüngeren vonLaurent und Gerhardt gegenüber, welche etwas später in dieWelt trat. Ans einer älteren Arbeit Fourcroys fußend, hatteLiebig das Aldehyd dargestellt, durch dessen Namen er andeutenwollte, daß man es mit von Wasserstoff befreitem Alkohol zu thunhabe, und demselben Forscher gebührt der Ruhm, das Chloralgenauer erforscht zu haben, wiewohl man ja zunächst noch keineAhnung von der unermeßlichen Bedeutung hatte, welche sich dieserStoff später (1869) erringen sollte, als aus R.Birchows sgeb. 1821)Laboratorium die so wohlthätige Entdeckung des Chloralhydrats, des
zuverlässigsten und ungefährlichsten unter allen bekannten Schlaf-Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 16