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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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242 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.

Mitteln, hervorging. Zu Aldehyd nnd Chloral hatte Dumas nochdie Trichloressigsäure hinzugefügt, aus deren Verhalten er denSchluß zog, daß Halogene an die Stelle des verdrängten Wasser-stoffs treten können. Als Typen wollte Dumas Verbindungeneinführen, welche bestehen bleiben, wenn dem Wasserstoff ein gleichesVolnmen Chlor, Jod oder Brom substituiert wird. Eine Körper-reihc weist einen gemeinschaftlichen Typus auf, ähnlich wie ausLaurents ursprünglichen Kernen auf dem Wege der Substitutionsekundäre Kerne gebildet werden. Solange von solch chemischenTypen die Sprache ist, muß in den dazu gehörigen Körpern einenahe Übereiustimmuug bestehen; es sollte jedoch neben ihnen, derenEigenart sich nur auf Atombeziehungen erstreckt, doch auch nochein anderer, ein mechanischer oder nach Regnaultmolekularer Typus nachweisbar sein, welcher alle im Wechsel-verhältnis äquivalenter Substitution zu einander stehenden Ver-bindungen umfaßte, einerlei wie deren sonstige Eigenschaften seinmochten. Gegen Berzelius richtete diese Theorie eine nicht zuverkennende Spitze, indem mit dem Dualismus des schwedischenForschers gänzlich gebrochen ward. Dumas ' Behauptung, für diechemischen Äußerungen einer Verbindung sei in erster Linie Zahlund Anordnung der Atome, nicht jedoch deren spezifische Naturmaßgebend, mußte in einer Zeit, welche so große im engeren Sinnechemische Errungenschaften zu registriere,: hatte, sehr kühn erscheinen,während sie den Neueren, denen die stereochemische Denkweise ge-läufiger geworden ist, geringeren Anstoß erregt. Dieser Vorstellungwar man vor sechzig Jahren noch wenig zugänglich, indessen sindihre Anfänge immerhin gerade auf die um die Typenlehre geführtenDiskussionen zurückzuleiten, und es war insonderheit Lanrent,der mit bestimmteren Ideen solcher Art hervorzutreten wagte.Die Kerne dachte er sich als Prismen, dereu Ecken von den Kohlen-stofsatomen, deren Kanten von den Wasserstoffatomen eingenommenwurden, uud wenu diese letzteren verjagt uud durch die Atomeeines anderen Stoffes ersetzt wurden, so blieb der Körper in seinerTotalität gleichwohl erhalten. Um die Prismen sollten dannwieder Pyramiden gelagert sein, u. s. w. Gewiß, es war ein erstes,noch recht unvollkommenes Tasten, das sich hier in dem Bestreben