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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Berzelius gegen Dumas und Laureut.

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kundgiebt, der Natur ihre innersten Geheimnisse abzulauschen, aberes lag darin ein Keim zu weiterem und glücklicherem Vordringen.So haben denn auch die neueren Historiker der Chemie weitgünstiger über Laurent und seine Lehre geurteilt, als dies diePeriode eines Berzelius that und, wenn man gerecht sein will,anch nur thnn konnte. Übrigens eignete sich die Kerntheorie anchganz gut dazu, als Fundament einer systematischen Darstellungverwertet zu werden, so wie dies L.GmelinsLehrbuch der Chemie"von 1844 zu erhärten in der Lage war. Die beiden VetternL. und C. G. Gmelin (17881853; 1792 1860) dürfen zuden erfolgreichsten deutschen Arbeitern dieser Epoche auf dem Ge-biete der analytischen Chemie gerechnet werden.

Die von Reizbarkeit nicht freie Polemik, welche Berzeliusin seinen jährlichen Berichten gegen Dumas und Laurent richtete,ohne auch nur deren nicht durchweg sich deckende Doktrinen ent-sprechend auseinanderzuhalten, schlug nicht zu seinem Vorteile aus,sondern trug dazu bei, noch kurz vor seinem Tode das Ansehendes größten unter den damals lebenden Chemikern einigermaßenzu beeinträchtigen. Es hing dies zusammen mit dem überausnatürlichen Umstände, daß ein Forscher, der, vielleicht viel zupessimistisch, seine ganze Lebensarbeit in Frage gestellt sieht, kaummehr geneigt ist, beim Gegner auch das Gute anzuerkennen;Liebig, der seinem früheren Mitarbeiter Dumas gegenüber gleich-falls in wesentlich ablehnender Stellung verharrte, bewährte sichdoch als weit vorsichtiger und ließ die Substitution als wirklichesNaturgesetz gelten, indem er nur der allzu schrankenlosen Aus-dehnung des Prinzipes seinen Widerspruch entgegensetzte. Ber-zelius dagegen suchte seine elektrochemische Theorie, die denn dochanch in manchen Punkten einem Schematismus glich, ihrem ganzenUmfange nach zn retten und schrieb, weil es nicht anders ging,den Verbindungen, welche Dumas zu Prüfsteinen seiner neuenHypothese gemacht hatte, eine Zusammensetzung zu, die sich mitdem wirklichen Befunde nicht vereinbaren ließ. Die letzten zehnLebensjahre des genialen Schweden waren durch die wenn anchverschleierte Niederlage, die er sich bei dem Kampfe um die duali-stische Atomenlehre zugezogen hatte, getrübt, uud es bereitete ihm

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