246 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.
hardts „oorxs ooxnlss" nur den Namen gemein, und auch inden späteren Schriften des Genannten hat sich die Bezeichnungeine gewisse Umdeutung gefallen lassen müssen. Die Klassifikation,welche derselbe für die organischen Stoffe angab, nahm die Oxy-dation zum Maßstabe, indem aus den kohlenstoffreichen Verbin-dungen durch Zutritt von Sauerstoff solche hervorgehen, welcheeine geringere Anzahl von Kohlenstoffatomen in sich schließen.
Wir entsinnen uns, daß unbeschadet der großartigen prak-tischen Leistung, welche Berzelius bei Ermittlung der numerischenWerte der Atomgewichte bethätigt hatte, die theoretische Frage nachdem wahren Wesen dieser letzteren noch nicht zur völligen Spruch-reife hatte gebracht werden können. L. Gmelin hatte die gefun-denen Zahlen, als Repräsentanten der von ihm so genanntenÄquivalente, durchgehends halbiert. Dieses Kunstwort, dessenerster Benützung von seiteu Wollastons oben gedacht ward, warkein klar umschriebenes und somit kein glücklich gewähltes, undauch Gerhardts Verwendung desselben war eine unsichere.Deshalb dachte er etwas später selbst auf Abhilfe, und so bahntendie beiden eng verbundenen Freunde Laurent und Gerhardteine Reform an, deren Bedeutung von Denen viel zu niedrig ein-geschätzt wird, die, wie man dies zeitweise zum öfteren las, die„geistlose", „schablonenhafte" Typen- und Resttheorie zum Gegen-stände ihres Angriffes machten. Auf das Zusammenwirken derbeiden französischen Chemiker geht in der neueren Zeit die erste,plangemäße Trennung der Begriffe Atom, Molekül undÄquivalent zurück, und zwar war hier Laurents Einwirkungdie gewichtigere. Ihm zufolge ist Molekulargewicht eines Ele-mentes die Gewichtsmenge, welche, den betreffenden Körper alsgasförmig vorausgesetzt, mit zwei Atomen Wasserstoff den gleichenRaum einnimmt; das Molekül des leichtesten aller Gase wurdesür zweiatomig gehalten. Die Definition von Molekül und Atomläßt zwar die Durchsichtigkeit uoch einigermaßen vermissen, kommtaber in der Hauptsache doch darauf hinaus, ersteres als die Physi-kalisch und letzteres als die chemisch nicht mehr weiter zerlegbareStoffpartikel zu fassen. Gleichwertige Quantitäten analoger Körpersollen einander äquivalent heißen. Als einen Mißstand in der