252 IX. Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile,
freilich die Methodik der Auffinduug solcher nicht weiter zerlegbarerSubstanzen erst später einen ganz ungeahnten Aufschwung nahm.Teils unmittelbar vor, teils gleich nach 1800 wurde das Chromdurch Vauquelin, das Molybdän nnd Wolfram durchschwedische Chemiker, die sich an Scheeles bahnbrechende Vor-arbeiten anschlössen, den Elementen hinzugesellt. Palladiumuud Rhodium gingen aus dem Laboratorium Wollastons von1803 au hervor; gleich darauf (1804) zeigte S. Tennant (1761bis 1815), daß in dem schwarzen Pulver, iu welches sich Platin-erze aufgelöst hatten, zwei Elementarmetalle, das Osminm unddas durch seiue unvergleichliche Härte ausgezeichnete, im Uralziemlich häufig anzutreffende Iridium , als Bestandteile enthaltengewesen seien. Das Bor wurde 1809 gleichzeitig von Gay-Lussac und H. Davy aus der Borsäure abgeschieden, welche vonden Dampfexhalationsstätten (Sofsioni) Toskanas in freiem Zu-stande geliefert wird und schon bei Lav visier in dem Argwohnestand, ein neues Element in sich zn schließen. Indem Berzelius ,vou aualoger Überlegung geleitet, die Kieselsäure untersuchte, stellteer aus ihr das Silicium dar (1810), ohne es allerdings zunächst,was ihm vielmehr erst dreizehn Jahre später gelang, vollkommenisolieren zu können. Auch die Schüler des Meisters arbeiteten inseinem Geiste fort; an ihrer Spitze I. A. Arfvedson (1792 bis1841), der 1818 bei seiner Untersuchung wenig bekannter Mine-ralien, des Petalits und Lepidoliths, ans das Lithinm ge-führt wurde. Der Lepidolith barg auch in sich das Rubidiumund Caesium, zwei Elemente, welche späterhin spektral-analytisch als Bestandteile natürlicher Salzsoolen nachgewiesenwerden konnten; K. F. Plattner (1800—1858) war der Ent-deckung des Caesiums ganz nahe gekommen, aber zur Gewinnungder minimalen Mengen, in welchen dasselbe in der Natur vor-kommt, reichten die vorhandenen Mittel nicht aus. Von DavysMeisterhand wurden die vier ueuen Urstoffe Baryum , Stron-tium, Calcium und Magnesium iu die Wissenschaft eingeführt,deren Verbindungen, zumal mit Quecksilber, schon zum öftereueinen Untersuchuugsgegenstand, so für Klaproth und Seebeck,abgegeben hatten. Als Entdecker des Kadmiums (1817) wird