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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
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258 IX- Die Chemie vor der Trennung in ihre beiden Hauptbestandteile.

Werte jedoch nicht erkannt hatte, stammt aus dem anscheinendwenig ansprechenden Steinkohlentheer; dieser ungemein nützlicheStoff lieferte auch die Kreosotöle, dereu man sich zur Impräg-nierung der hölzernen Bahnschwellen bedient, und das zum Tilgenvon Fettflecken unvergleichliche Benzin. Es wird später zuerörtern sein, daß in eben dieser Masse die wichtigsten Arznei-stoffe der neuesten Zeit potentiell enthalten sind, zumal ver-schiedenartige Süßstoffe. Die von Marggraf im Jahre1747 bethätigte Erfindung des Rübenzuckers, dessen Her-stellung F. K. Achard (17S31821) mit Unterstützung derpreußischen Könige im Großen betrieb, hatte auch eine vorteil-hafte Rückwirkung auf die Chemie des Landbaues, für welche mandie Staßfnrter Abraumsalze ausnützen lernte. Von Liebigs Verdiensten um eben dieses Fach muß- noch besonders gesprochenwerden.

In die physikalische Chemie, die ja vorläufig uoch kein Sonder-dasein zu führen in der Lage war, gehören die Explosivkörper,deren Erfindung und Erforschung seit den vierziger Jahren sichin rascherem Tempo bewegte. An der Spitze steht die Darstellungder sogenannten Schießbaumwolle, deren Entdecker Schoen-bein war, während auch Boettger und I. Otto sich um dieDarstellung dieses vielfach das Pulver ersetzenden Stoffes verdientgemacht haben. Im gleichen Jahre 1345 verband Schoenbeinsein Präparat mit Alkohol uud Äther und sah sich so im Besitzeder Kollodiumwolle, welche in ihrer Lösung das bekanntedünne, in der Chirurgie ebenso wie in der Photographie zu wich-tiger Anwendung gelaugte Häutchen liefert. Zwei Jahre späterging aus Laboratoriumsversuchen von A. Sobrero (18121888)und T. I. Pelouze (18071867) das Nitroglyzerin (Knall-glyzerin) hervor, dessen furchtbare Kraft der Welt allerdings erstfünfzehn Jahre später zum Bewußtsein kommen sollte. Einefolgenreiche Verbindung zwischen Physik und Chemie, d. h. derNatnrlehre der molaren und der Naturlehre der molekularenKräfte bahnte F. M. H. Kopp (18171892) 1841 an, indemer systematisch die spezifischen Gewichte von Elementen und Ver-bindungen studierte. Ebenderselbe that dar, daß die Art der Zu-