Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

Chemische Zeitschriften.

259

sammensetzung eines Körpers sich in dessen Siedetemperaturwiederspiegle; es war damit der Thermochemie ein zu großenErfolgen führender Pfad vorgezeichnet, einer Disziplin also, dieschon früher, sowohl durch Dumas wie auch durch Favre undSilbermann in den oben zitierten Arbeiten über Verbrennungs-wärme, ihre Berechtigung dokumentiert hatte. Wenig bekanntgeworden und erst von neueren Historikern in das richtigeLicht gerückt, erheischt auch besondere Beachtung der 1840 vonG. H. Heß (1802 1850) in St. Petersburg geführte Nach-weis, daß dem molekularen Akte, welcher die Entstehung irgendeiner Verbindung zur Folge hat, ein gewisser Aufwand vonWärme entspricht, einerlei, in wieviel Absätzen sich dieser Aktvollzog.

Hiermit brechen wir unsere Auszählung der bedeutsamerenchemischen Leistungen ab, welche die erste Hälste des 19. Jahr-hunderts zu verzeichnen hatte. Unser Überblick wird jedoch ge-nügen, um einigermaßen über das gewaltige Maß geistiger Kraftzu orientieren, welches Lavoisiers Nachfolger daran setzten, umdie von ihrem großen Vorbilde aus dem Banne unkontrollierbarer,halb mystischer Vorstellungen erlöste Wissenschaft zu eiuem exakten,möglichst hypothesenfreien Teile der allgemeinen Lehre von derNatur um- und auszugestalten. Behilflich war ihnen dabei dieLeichtigkeit des geistigen Verkehrs unter den Fachgenossen, welchendie großen Zeitschriften in den verschiedenen Ländern vermittelten.Von den^nnales c!s Llümis et äs ^ll^siyuk" war ebenso wievon PoggendorffsAnnalen der Physik und Chemie" schonfrüher Notiz zu nehmen; in Deutschland fiel auch den seit 1832von Liebig herausgegebenenAnnalen der Chemie und Phar-mazie" eine hochwichtige Aufgabe zu, und für alle technischenAnwendungen bildete das von dem Augsburger FabrikantenI. G. Dingler (17781855) begründete, gleichfalls bis zumheutigen Tage blühendePolytechnische Journal" das unerschöpf-liche Repertorium.

Dagegen war der chemische Unterricht in jenen Jahren

anch nicht annähernd so vorzüglich organisiert, wie er dies in den

letzten Jahrzehnten nach und nach geworden ist, und um so höheres

17*