Entwicklung des hvhcren chemischen Unterrichtes. 261
unter Woehler, in Marburg unter Bunsen, in Leipzig unterO. L. Erdmann (1804—1869), dessen „Journal für praktischeChemie" zumal die Interessen der chemischen Technologie forderte.Den Zentralpunkt jedoch, den Wallfahrtsort für fleißige Studierendenicht minder wie für angehende Gelehrte, die an ihre Fachbildungdie letzte Hand zu legen gewillt waren, bildete im zweiten Vierteldes Jahrhunderts das kleine Gießen. Man hat Justus Liebigs Kabinett mit dem trojanischen Pferde verglichen, und in der Thatsind aus jenem gar viele für den Kampf mit den Geheimnissender Natur trefflich gewappnete Kämpen hervorgegangen: einA. W. Hofmann, Strecker, Fresenius, Frankland, Wurtz,Williamson — um nur einige der Namen hervorzuheben,die uns in diesem Abschnitte wiederholt entgegengetreten sind.In dieser Persönlichkeit liegt etwas so Außerordentliches, daßwir es für erlaubt und geboten halten, etwas mehr denn sonstauf das persönlich-biographische Element einzugehen — undzwar um so mehr, da wir ja einen wichtigen Zeitpunkt imLeben des Mannes unserer Darstellnng als Grenzstein gesetzthaben.
Unzureichende Begabung sür das Studium der alten Sprachenhatte den jungen Justus Liebig (1803—1873) in die Apothekerlauf-bahn gedrängt, und diese nötigte zum Studium der Pharmazie inErlangen und Bonn . An ersterer Universität dvzierte damals derApotheker E. W. Marti us (1756—1849), ein sehr geachteterChemiker, dessen Sohn T. W. C. Martins (1796—1863) au dergleichen Hochschule die bedeutendste pharmakognostische Sammlungseiner Zeit zusammenbrachte. Gut vorbereitet, konnte Liebig inParis seine wissenschaftliche Bildung rasch derart abrunden, daßihm schon 1824, auf A. v. Humboldts Empfehlung hin, einExtraordinariat in Gießen zn teil wnrde, welches 1826 in einOrdinariat überging. Durch achtundzwanzig Jahre ist er, seit1842 Freiherr v. Liebig , dieser Stellung treu geblieben. Es isterstaunlich, zu sehen, welche Reihe gewichtiger Arbeiten in diesemZeitraume von dem Musterlaboratorium Deutschlands ausgegangenist, wenn man doch bedenkt, was der geniale Mann zugleich fürseine Freunde, Schüler und Praktikanten war. Sein Name ist