268 X. Die Geologie auf dem Wege von L. v. Buch zu Ch. Lyell.
die meiste Veranlassung hatte. Ein feiner Beobachter, dessen münd-licher Unterweisung A. v. Humboldt zugestandenermaßen seinegroße Vertrautheit mit der unterirdischen Welt verdankte, hat sichFreiesleben um eine genauere Gliederung der deutschen Mittel-gebirgsschichten große Verdienste erworben und die Perm- uudTriasformatiou so scharf in Schichtenkomplexe zerlegt, als diesohne die stete Berücksichtigung der organischen Einschlüsse möglichwar. Nicht als ob diese vernachlässigt worden wären; auch siewurden beschrieben, aber doch nur als lokale Merkwürdigkeiten,etwa wie die nutzbaren Mineralien, aber noch ohne die Erkenntnis,daß allein dnrch sie bei gestörter Schichtenlage die relativegeologische Altersbestimmung ermöglicht werde. Damals hieltman noch au einem Irrglauben fest, von dem sich A. v. Humboldtbis in seine höheren Lebensjahre hinein nicht gänzlich frei zu machenvermochte, indem man wähnte, einzig und allein durch mineralogisch-petrographische Kennzeichen entscheiden zn können, welche von zweiSchichten die in früherer Zeit abgesetzte ist. In umfassenderemMaße begründete v. Buch das exakte paläontologische Systemder Altersbestimmung, eignete jedoch selber das Verdienst, die erstenSchritte gethan zu haben, einem anderen zu. Will man strengstehistorische Gerechtigkeit üben, so muß man bei dem DeutschböhmenI. v. Born (um 1780) den Keim der richtigen Würdigung derFossile oder Petrefakten anerkennen; in Spezialfällen aber habenW. Smith (1769—1839) und P. G. Deshayes (1796—1896),der au der geologisch-zoologischen Forschung dreier Menschenaltereisrigen Anteil nahm, die Versteinernngskuude zur Richtschnur beider Lösung einer früher ganz unzugänglich erscheinenden Ausgabegewählt. Doch geschah dies erst um 1830, und lange zuvor schonhatte v. Buch ganz korrekte Ansichten über die Grundfrage bekanntgegeben. Es war die Frage aufgetaucht, ob der Kalkfels, der uächstSegeberg aus der flachen holsteinschen Tiefebene aufragt, nicht viel-leicht von derselben Beschaffenheit mit dem Gesteine des damals vieluntersuchten Pariser Beckens sei, und daraus gab der weitsichtige Mannlange vor Deshayes' Eingreifen die zutreffende Antwort, hierüberkönne man erst dann eine Entscheidung treffen, wenn man die Ver-steinerungen beider Ortlichkeiten miteinander verglichen haben werde.