270 X. Die Geologie auf dem Wege von L. v. Buch zu Ch. Lyell,
auf unzureichender Erfahrnngsgrundlage aufzubauen. Dem gegen-über bildete sich aber, und hierin ist Werner gewiß mit guteinBeispiele vorangegangen, auch mehr und mehr eine tüchtige Feld-geologic aus; d. h. man durchforschte mit Hammer, Klinometerund Notizbuch die verschiedenen Lander der Erde und legte ingeologischen Landesbeschreibungen ganz objektiv, und ohne vor-gefaßten Meinungen einen größeren Raum zu gönnen, den that-sächlichen Befund nieder, dessen Ordnung, Sichtung und Zurück-sührung auf allgemeine Gesetze wieder eine besondere Aufgabedarstellte. Daß A. v. Humboldt und L. v. Buch auch auf diesem,vorderhand eigentlich wichtigsten Gebiete unverwelkliche Lorbeerengepflückt haben, ist bekannt genug. Der letztere war auch einMeister in der Zeichnung geologischer Karten; wer nicht im-stande sei, seine Wahrnehmungen anch kartographisch zu fixieren,sei kein richtiger Geognost, betonte er mit Vorliebe. Von 1815an hatte die geologisch kolorierte, auch den fossilen Einschlüssender Schichten Rechnung tragende Karte Englands , welche der schonoben genannte Jngenienr W. Smith lieferungsweise herausgab,berechtigtes Aufsehen gemacht, und die sich daran anreihenden Kartenund Profilzeichnungen G.B.Greenonghs (1778—1855), J.MacCullochs (1773—1835), W. Bucklands (1784—1856) machtenGroßbritannien zu einem derjenigen Länder, deren strati-graphische, auf den Schichtenbau bezügliche Erforschung amweitesten fortgeschritten war.
In Deutschland wurden durch G. S. O. Lasius (1752—1833)der Harz, durch I. K. W. Voigt (1752 — 1821) der ThüringerWald, durch A. Goldfuß (1782—1848) das Fichtelgebirge unddas Rheinische Schiefergebirge durchforscht; das schlesische Gebirgeblieb auch noch später die Domäne v. Buchs, der hier zuerstzweiseln lernte, ob man mit Werners Terminologie und Begriffs-bestimmungen auch in anderen Gegenden anslangen könne. Eben-dort, und sogar im heimischen Erzgebirge , ließ sich, als K. v. Ranmer(1783—1865) die Granit- und Syenitbildungen Prüfte, das Be-denken nicht mehr unterdrücken, ob denn wirklich der Granit, wiees die Freiberger Orthodoxie verlangte, das eigentliche Primordial-gestein sei, ob nicht vielmehr dem Gneis (damals „Gneuß" ge-