Anfänge der Alpengeologie.
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schrieben) die Eigenschaft, den Hauptbestandteil der erstarrten Erd-rinde zu bilden, zugesprochen werden müsse. Goethe wettertegegen diese Neuerung in seinen Tenien („Wie man die Königeverletzt, wird der Granit auch abgesetzt, und Gneis, der Sohn, istnun Papa . . ,"), ohne freilich deren Sieg abwenden zu können.Die deutschen Alpen fanden jetzt erst jene Beachtung, auf die sie,wie man sich allgemach überzeugte, den allerberechtigtsten Anspruchmachen können. Speziell die bayerischen Alpen hat M. Flurl(1756—1823) mit hingebender Trene erforscht, ohne freilich,ebensowenig wie D. L. G. Karsten (1768—1810), eine Diffe-reutiierung der Kalkmasseu erreichen zu können, für deren Gesamt-heit man sich noch längere Zeit mit dem nichtssagenden NamenAlpenkalk begnügte. Karpaten und Ostalpen, den benachbartenKarst mit einbegriffen, fanden ihren monographischen Schildererin B. Hacquet (1739—1815), der sich freilich mehr auf guteLandschaftsskizzierung als auf die geologische Analyse verstand;das Salzkammergut und Tirol beschäftigten auch v. Buch, dessenScharfblick die seither von einer Unzahl tüchtiger Mineralogen undGeologen bestätigte Thatsache feststellte, daß der Kessel von Predazzozu den interessantesten Orten des Hochgebirges gehört. Kein andererals er brachte uns, nachdem ein ministerieller Auftrag ihn mit derDurchforschung des Fürstentums Neuchatel betraut hatte, die erstenverlässigen Aufschlüsse über die merkwürdige Faltenstruktnr desSchweizerischen Jura, dessen geognostische Übereinstimmung mitden nunmehr gleichnamigen Plateaugebirgen wiederum er, zugleichder beste Kenner der sogenannten Fränkischen Schweiz , darzuthunvermochte. Auch die westlichen Alpen zogen v. Buchs wiederholteAufmerksamkeit auf sich, doch war er niemals in der Lage, die-selben so eingehend studieren zn können, wie I. G. Ebel (1764 bis1830), der nicht nur die alpine Reisehandbücher-Litteratur mitganz ungewohntem Geiste erfüllte, sondern auch in seinem nochheute lesenswerten Hauptwerke („Über den Bau der Erde im Alpen-gebirge", Zürich 1308) stratigraphische Bilder entwarf, die sich alsmit den exakten Aufnahmen späterer Zeit Wohl verträglich erwiesen.Seine teilweise^ naturphilosophischen Erklärungen überlebten ihnnicht, aber das Gerüste, welches er dem Leibe des riesigen Ketten-