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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Geologie in Osteuropa .

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gelegentlich die Staatsgewalt ein, wenn durch die gelehrte PolemikZweifel an der Wahrheit des biblischen Schöpfnngsberichtes erregtzu werden schienen. Wie jedoch die Halbinsel stratigraphisch auf-gebaut sei, war noch wenig aufgeklärt, und v. Buchs große Reise(18061808) war großenteils noch ein wissenschaftlicher Erobe-rungszug in ein unbekanntes Land. Nunmehr wurde außer Fragegestellt, daß die sedimentären Bildungen in Norwegen und Schweden nur eine untergeordnete Rolle spielen, daß auch der wahre Granit,den der große Reisende zuerst bei dem Lappendorfe Kautokeiuoantraf, im ganzen selten sei, und daß der Gneis den Knochenbander Halbinsel bedinge. Finlands nahm sich sorgfältiger, obwohlauch Tillas und Abildgaard schon vorher Beiträge geliefert hatten,zuerst M. v. Engelhardt (1779 1842) an, und die weitenTerritorien Rußlands , dessen physische Geographie in P. S. Pallas(17411811) einen ausgezeichneten Darsteller gefunden hatte,gaben dem Grafen G. Razumowsky (gest. 1837) Gelegenheit,die geogn ostischen Kenntnisse, welche er sich auf umfassenden Be-gehungen in der Schweiz und in Osterreich angeeignet hatte, aufeinem größeren Arbeitsfelde zu verwerten. Dem Ural insbesonderekam A. v. Humboldts Reise im Jahre 1829 zu gnte, und indem derselben gewidmeten Werke G. Roses werden auch die geolo-gischen Verhältnisse der Kirgisensteppe, Zentralasiens und Süd-rußlands eingehend erörtert. Der Kaukasus, damals noch ganz inden Händen freiheitsliebender Bergbewohner, entzog sich genauererKenntnisnahme noch ebenso wie die gesamte Balkanhalbinsel, fürdie erst von 1830 an dnrch die unter großen Schwierigkeiten aus-geführten Reisen Ami Boues (17941881) Material beschafftwerden konnte. Mit der Geologie von Polen , die nördlichenKarpaten eingeschlossen, bleibt enge verbunden der Name vonG. G. Pusch (17901846), der sich jedoch nicht einseitig aufGesteins- und Schichtenkunde beschränkte, sondern sein Adoptiv -vaterland er war geborener Kursachse und später Hütten- undMünzbeamter in Kongreßpolen nach allen Richtungen naturwissen-schaftlich zu ergründen bemüht war. Leider ist sein einschlägiges,auch der Klimatologie Beachtnng schenkendes Werk in den hinter-lassenen Papieren vergraben geblieben.

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