Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

L. v. Buch als Feldgeologe.

279

eingedenk blieben, die eben doch eine gänzliche Loslösung von derGeologie nicht nnr unerwünscht, sondern geradezu unthunlichmacht. Auf Petrographie, Stratigraphie und Paläontologie stütztsich endlich die andererseits auch eiuen Zweig der physikalischenGeographie darstellende dynamische Geologie, die sich direktin der Erdmorphologie bethätigt. Letztere stellt und beant-wortet, so gut sie dies vermag, die Frage: Unter der Ein-wirkung welcher Agentien hat im Laufe der Zeiten einegegebene Erdstelle gerade die Gestalt angenommen, diewir jetzt an ihr wahrnehmen? Spekulationen dieser Arthatten den Geologen des 17. und 18. Jahrhunderts fast ausschließ-lich in Anspruch genommen, und die Feststellung der thatsächlichenVerhältnisse erschien ihm als etwas Ermüdendes, Überflüssiges,tiefer Forschung Unwürdiges. So war das Pferd gemeiniglichbeim Schwänze aufgezäumt worden, und der Freiberger Richtung,der ja auch große praktische Ziele vorgezeichnet waren, bleibt unterallen Umständen das hohe Verdienst, die harte Detailarbeit imTerrain wieder zu verdienten Ehren gebracht zu haben. Als echterJünger Weruers ging v. Buch mit dem besten Beispiele voran,und jeder Studierende der Geologie weiß, daß er dem großen Vor-bilde folgen und ebenfallsals wandernder Einsiedler" die Landedurchstreifen muß, um später sein Erfahrnngsmaterial theoretischmit Aussicht auf Erfolg verarbeiten zu können. Die Personal-geschichte macht uns sogar mit manchem bezeichnenden Falle vonAbneigung der berufsmäßigen Feldgeologen gegen die Stubenarbeitam Schreibtische und auf der Kathedra bekannt ein historischwohl verständlicher Rückschlag gegen einseitige Bevorzugung desspekulativen Momentes, das jedoch auch niemals vernachlässigtwerden darf, wenn nicht an die Stelle des von höheren Erwägungengeleiteten Forschers der Routinier treten soll.

Als Petrograph stand Werner, wenn wir die verschiedenenAbzweigungen seiner vielseitigen Thätigkeit untereinander ver-gleichen, jedenfalls am höchsten; seine Einteilung der Gesteine ineinfache und gemengte, seine Gegenüberstellung der wirklichgesteinbildenden Mineralien und der als akzessorisch oder zufälligbezeichneten Bestandteile haben sich für immer das Bürgerrecht in