280 X. Die Geologie auf dem Wege von L, v. Buch zu Ch. Lyell.
der Wissenschaft erworben. Brogniarts Klassifikation von 1813führte nur weiter, was Werner angebahnt hatte; er trennt, wennwir seine der Jetztzeit nicht mehr geläufigen Kunstausdrücke mitdenen vertauschen, die nachmals gebräuchlich gewordeu sind, diekörnigen Gesteine von denen, die eine porphyrische Strukturaufweisen, uud diese wieder von den bloßen Aggregatgesteinen,zu denen die Sandsteine und Breccien gehören. Wiederum zehnJahre später kennzeichnet K. C. v. Leonhard (1779—1862) inzahlreichen Publikationen, deren gelesenste das durch seiucn Namennochmals auf den Freiberger Ursprung zurückweisende „Handbuchder Oryktoguosie" (Heidelberg 1822) gewesen sein möchte, den jetzterreichten, eine klare Einsicht in das Wesen der Gesteiusbildungdarlegenden Standpunkt. Allerdings hatte man noch nicht gelernt,das mächtige Instrument, welches in der Organologie zu dengroßartigsten Triumphen verholsen hatte, das Mikroskop, auchauf die unbelebte Natur anzuwenden, und da man also nur aufäußerliche Kennzeichen angewiesen war, warf man uuwillkürlichverschiedenartige Gesteine zusammen, wie dies die Rubrik „schein-bar gleichartige Gesteine" beweist. Daß man aber trotzdem auchmakroskopisch in manchen Fällen tiefere Blicke zu thuu vermochte,erhellt aus einer Untersuchung v. Buchs über Laven, denn Bims-stein und Obsidian erscheinen dem oberflächlichen Blicke gewißals zwei ganz abweichende Erstarruugsprodukte, und doch ließ sichderen grundsätzliche Identität erweisen.
Einen ersten Ansatz zur mikroskopischeu Analyse erkennt manbei dem dnrch seine Wärmemessuugen im Inneren der Erde be-kannter gewordenen und wegen dieser im sechsten Abschnitte er-wähnten Montanisten Cordier, der den Rat gab, pulverisierteSteine einem Schlemmprozesse zu unterwerfen und die Partikeln,welche sich dann nach ihrer verschiedenen Schwere geordnet habenwürden, mikroskopisch und chemisch weiter zn prüfen, nachdem zu-vor der Magnet alle Eisenteilchen herausgezogeu hätte. Es gingdas in einzelnen Fällen an, aber allgemein verwendbar konnte dasimmerhin geistvoll auSgedachte Verfahren nicht werden. Für ge-wisse Konglomerate wurde dagegen sehr folgenreich der Umstand,daß der ohne Frage bedeutendste Mikroskopiker seiner Zeit,