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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Entwicklung der Gestcinslchrc,

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C. G. Ehrenberg , seine virtuose Technik, der die Entdeckungder Infusionstierchen zu danken war, anch demjenigen Teile derPetrographie zu gute kommen ließ, der es mit den auS Restenorganischer Körper bestehenden Felsarten zu thun hat.Die weiße Schreibkreide, der Polierschieser, die als Kieselgnhrspäter von der Sprengstoffiudustrie ausgeuützte Masse zerfielenunter dem Vergrößerungsglase in ein Hanfwerk zahlloser winzigerOrganismen, die teils dem Formenbereiche der niedersten Tiere, denProtisten, teils pflanzlichen Einzellern, den Kalk- und Kiesel-algen, angehörten. Anch für die Erforschung der Ablagerungen,welche den Grnnd des Meeres bedecken und, da sie heute nochnach ähnlichen Normen sich bilden, wie in geologischer Vorzeit dieFelsschichten, auch des uumittelbareu geologischen Interesses nichtentbehren, erwies sich Ehrenbergs Forschungsart zweckdienlich.Aber die Behauptung, jedwede Art von Kalkstein sei organogen,ging wieder viel zu weit und verhinderte vielleicht, daß man ingrößerem Umfange auch die kompakten Gesteine, sedimentäre wiePlutonische, mit dem Mikroskope auf ihre Zusammensetzung unter-suchte. Es geschah dies auch dann zunächst noch nicht, als dieKonstruktion des Polarisationsmikroskopes dnrch den imachten Abschnitte genannten Schotten Nicol die Methodik unge-mein verbessert und u. a. K. I. A. Th. Scheerer (18131875)in die Lage versetzt hatte, um 1845 die oft bunte Vielheit fremd-artiger Einschlüsse in Krystallsplitterchen augenfällig zu machcu.K. F. Naumann (17971873), als Verfasser trefflicher Kom-pendien der Mineralogie und Geologie unter den Deutschen oben-anstehend, hat die Petrographie im Jahre 1850 mustergiltig ab-gehandelt und nach genetischen Gesichtspunkten in ein System ge-bracht. Sein Lehrbuch und das B. v. Cottas (18081879), das fünfJahre später herauskam, schildern diesen Wissenszweig so vollständigund deutlich, als dies unter den damaligen Umständen überhaupterreicht werden konnte. Man hatte inzwischen auch die Chemiein den Dienst der Gesteinslehre gestellt, und Cordier, W.H. Abich(18061886), P. A. Dnfrenoy (17921857) und A. Delesse(18171881) hatten dadurch schöne Ergebnisse für die Beschaffen-heit der Ergußsteine erhalten. Als eigentlichen Schöpfer der