282 X. Die Geologie auf dem Wege von L. v. Buch zu Ch. Lyell.
chemischen Geologie kann man mit v. Zittel den Bonner Universitätslehrer G. Bisch os bezeichnen, der uns, zugleich mitCordier, als einer der Begründer der Lehre von den geothermi-schen Verhältnissen entgegen getreten ist. Überall da, wo nichtschrosf-neptunistische Voreingenommenheit den scharfen Denker aufAbwege leitete, hat er die reichste Anregung gegeben, und sein„Lehrbuch der chemischen und physikalischen Geologie" (Bonn 1844—1855) hat nicht ohne Grund zu seiner Zeit den Ruf derKlassizität erlangt, muß aber selbst in der Gegenwart noch garoft zu Rate gezogen werden, weil es in manchen Angelegenheiten,wir erinnern nur etwa, an die mnstergiltig skizzierte Lehre vonden Mineralsprudeln in altvulkanischen Regionen, Original-mitteilungen bringt, die nachher von einem Werke in das andereübergingen. Man kann ja wohl einwerfen, Bischof suche der reinchemischen Betrachtungsweise ein allzn großes Feld zu erringenund greife in Gebiete über, die sich dieser entziehen; daß aber in-sonderheit die Zerlegung der verschiedenen Gesteinsarten nichts zuwünschen übrig läßt, ist gewiß, und nur bezüglich der vulkanischenLaven und Gläser mochte noch eine Ergänzung wünschenswerterscheinen. Sie ward geliefert durch den genialen Bunsen, derauf seiner Island -Reise (1845) das vulkanische Phänomen nach allenSeiten hin studiert hatte nnd die Zerlegung aller aus Glutflußabgeschiedenen Gesteine in zwei große Gruppen durchführte.
Allein soviel die Chemie leistete — darüber, in welcher Artund Weise sich die einzelnen Bestandteile eines zusammengesetztenGesteines ineinander gesügt haben, gewährte sie einen Aufschlußnicht. Solchen giebt vielmehr ausschließend der Dünnschliff,eine überaus dünne, aus dem zu prüfenden Objekte heraus-geschnittene und planparallel angeschliffene Platte, welche in durch-gehendem Lichte die thatsächliche Anordnung der gesteinbildendenMineralien offenbart. Sonderbarerweise hatte man versteinerteHölzer und Kohlen schon mehrfach im Sinne der Dünnschliff-methode betrachtet, ohne auf deren Allgemeingiltigkeit aufmerksamzu werdeu, und es blieb H. C. Sorby (geb. 1826) vorbehalten,die Herstellung solcher Untersuchungsobjekte als das souveräneHilfsmittel der Mineralmikroskopie zur Anerkennung zu bringen.