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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Der Streit um die Natur des Basaltes.

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Dies geschah im Jahre 18S0, und von da ab erhielt sich dasVerfahren, wenngleich es zuerst nur langsam Beifall fand, aufder wissenschaftlicheil Tagesordnung, um schließlich dem eisernenBestände der Petrographie einverleibt zu werden. Die späterenGeschicke von Sorbys Erfindung reichen jedoch zeitlich über dieGrenze des Jahres 1853 hinaus und müssen deshalb vorderhandunberücksichtigt bleiben.

Daß die Disziplin, deren Entfaltung uns bisher beschäftigte,auch auf die alten Streitigkeiten zwischen Neptunisten nnd Pluto -nisten ihren Einfluß übte, versteht sich von selbst. Die wässerigeEntstehung des Basaltes, die v. Buch selbst dann noch als regionaleMöglichkeit zulassen wollte, als er in der Auvergne die erstarrten,aus den Kratern der Tertiärvulkane gekommenen Basaltströmemit eigenen Augen gesehen hatte, widerlegte einige Jahre späterniemand so entschieden als er selbst, und seinem Beispiele folgtenv. Leonhard und der treffliche Elie de Beaumont . Wiev. Gümbel bemerkt, hat auf dem Veitsberge bei Karlsbad dieNatur selbst den wahren Sachverhalt den Augen demonstriert;denn dort erkennt auch der Laie, wie der Basalt den so viel alterenGranit durchbrochen und sich, ursprünglich glutflüssig, in des ersterenSpalten und Klüfte hineingezwängt hat. Weniger leicht gelangder Nachweis des Plutonischen Charakters beim Granit; zumalI. N. Fuchs in München , der die Chemie mit der Geologie schonvor Bischof möglichst enge zu verbinden suchte, stieß sich an demUmstände, daß die im Hochofen erzeugten Schmelzflüsse niemalseine solche mechanische Verbindung von Feldspat, Quarz undGlimmer ergeben hätten, wie sie uns der Granit vor das Augestellt. Durch E. v. Schafhäutl (18031890) und Scheererwurde eine Kompromißhypothese in Umlauf gesetzt, welche die Her-kunst des Granits aus einem feurig-flüssigen Magma allerdingsnicht gänzlich leugnete, diesem Mineralbrei aber eine kräftige Dnrch-tränkung mit Wasser zuschrieb. Hierdurch war der Forschung, wiesich auch der Einzelne zu der hydato-pyrogenen Theorie stellenwollte, ein weiter Spielraum eröffnet, und sie hat ihn auch redlichausgenützt, wie dies aus der späteren Fortsetzung des gegeuwärtigenAbschnittes hervorgehen wird. Für die archaisch-paläozoische Gruppe