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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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312 X. Die Geologie auf dem Wege von L. v. Buch zu Ch. Lyell.

Bannerträger der wieder neu gewordenen, aktualistischenTheorie, Lyell beipflichteten. Daß bloß die Verwitterung dasfesteste Gestein aufzulösen und in Trümmerhaufen zu zerlegen be-fähigt sei, erkannte ganz richtig der für solche Denkweise überhauptsehr empfängliche Goethe, als er im Jahre 1820 das Block-meer der Luisenburg im Fichtelgebirge besuchte, worauf später

(1838) I. R. Blum iu Heidelberg ähnliche Gedanken über dieFelsanhänfungen des Odenwaldes äußerte. Letzterer befaßte sichauch mit den chemischen Begleiterscheinungen des Verwitterungs-prozesses, dessen gesamtes Wesen G. Bischof in feinem bekanntenWerke für seine Zeit vorzüglich gekennzeichnet hat. Die Boden-kunde als einen Zweig der mechanisch-chemischen Geologie be-gründet zu haben, ist das Verdienst K. F. F. Senfts (1810 bis1893), dessen ausgedehnte Schriststellerei über verwandte Gegen-stände mit 1847 anhebt. Anderweite Verwitterungs- und Aus-laugungserscheinungen wurden dnrch Mitteilungen über charakte-ristische Lokalvorkommnisse dem wissenschaftlichen Interesse nähergebracht; so schrieben über die geologischen Orgeln oder Erd-pfeifen der Umgebungen von Maastricht und Paris Brongniart,Cuvier , C. L. Mathieu (17S6?), I. B. M. Bory deSt. Vincent (17801846) und I. Noeggerath (17881877),und die überwiegende Mehrzahl der Fachmänner sprach sich füreine auflösende Aktion der Tagewasser aus. Die Karrenselderder Alpen beschrieb 1840 einläßlich F. Keller (18001881).So wurde man auf die Höhleu, die zumeist nur der Paläonto-loge und PräHistoriker wegen der dort vorgefundenen Knochenund Primitiven Artefekte beachtet hatte, auch unter einem anderenGesichtspunkte aufmerksam, und die bekannteren Bildungen dieserArt wurden von Ch. W. Ritter (1765?) in einem mehrbändigenWerke (Hamburg 18011806) beschrieben. Auch Fr. Hoffmannund Bory de St. Vincent trugen zur Aufklärung über die Be-dingungen der Höhlenbildung bei. Noch weniger wußte man vonden Eisgrotten und den ihnen verwandten Bentarolen, ob-wohl dieses Phänomen bei Scheuchzer und De Saussure keineswegs vernachlässigt ward. A. Pictet (1823) und F. Keller

(1839) habeu diesen speziellen Zweig der Höhlenkunde, wie man