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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
315
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Ausbildung der erratischen Hypothesen.

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187S; von Carus später verdeutscht) beherrschte diesen Teil derGeologie und physischen Geographie Jahrzehnte lang souverän,und als sich in den sechziger und siebziger Jahren Stimmen gegendie Hypothese erhoben, daß den verschiedenen Formen der madre-porischen Bauten konsekutive Senkungen des Meeresbodensentsprächen, drang doch schließlich die ältere Doktrin wenigstensinsofern sieghast dnrch, als manche Vorkommnisse nnr mit ihrerHilfe befriedigend interpretiert werden können.

In dem der Geophysik gewidmeten Abschnitte war daraufhingewiesen worden, daß der Glazialphysik als jüngere Schwesterauch eine Glazialgeologie erstanden sei. Sie entsprang aus demschon im 18. Jahrhundert betriebenen Studium des Erratikums,jener ungeregelten Ausstreuungen von Gesteinstrümmern, die mansowohl im Alpenvorlands wie auch in der norddeutschen und sar-matischen Tiefebene antrifft, und deren Gesteinsbeschaffenheit aufeine ganz andere Heimat hinweist, als auf den im Augenblicke vonihnen eingenommenen Boden. Mineralogisch - geognostisch stelltendiese Thatsachen I. Esmark (17631839), Playfair, Haus-mann und vor allem v. Bnch fest, der diese Geschiebeforma-tion allenorts kartographisch festlegte und auf Grund genauerVergleiche der märkischen Findlinge mit den ihm wohlbekanntenGesteinen Skandinaviens die Berliner Pflastersteine alsgeboreneSchweden " ansprach. K. F. Wrede (17861826) hatte die Ge-steinsblöcke des unteren Odergebietes noch für Abkömmlinge derschlesischen Gebirge gehalten. Wie nun aber kamen diese Geschiebein die seknndäre Lage der Jetztzeit? De Luc hatte zu dem Endevulkanische Eruptionskräfte herbeigezogen; v. Buch dagegen ver-hnlf durch seine Autorität der Diluvialtheorie zur fast allseitigenAnerkennung. Aus allen meridional gerichteten Thälern der Alpen seien riesige Wasserströme hervorgebrochen, so etwa, wie man diesnoch jetzt beim Durchbruche eines Stausees wahrnehmen kann, unddiese hätten das Gesteinsmaterial an seinen jetzigen Ort getragen.Indessen ließ v. Bnch dies nur für die subalpinen Gerölle gelten;für die Bildung des norddeutschen Diluviums bedauerte er keineihm genügende Erklärung geben zu können, und dem Schweden G. Sefström trat er sogar scharf entgegen, weil dieser die Existenz