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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Elftes Kapitel.

Der große Umschwung in der natur-wissenschaftlichen Prinzivienlehre.

Das 19. Jahrhundert stand, was die mit dem Begriffe derKraft verbundenen Vorstellungen anlangt, wesentlich auf demgleichen Standpunkte, den auch das 18. eingenommen hatte. DieAbwege, auf welche sonst tüchtige Mäuner während des natur-philosophischen Intermezzos geraten waren, konnten nicht vergessensein, und auch philosophisch angelegte Köpfe schraken vor Speku-lationen zurück, die man für metaphysisch hielt, während sie anund für sich, nur in der richtigen Weise und iu stetem Ein-vernehmen mit der Erfahrung angestellt, gewiß auch ein Bürger-recht in der exakten Naturwissenschaft beanspruchen durften. Wirwerden bald erfahren, wie schwierig ein Ankämpfen gegen die reineEmpirie wurde, wie der Lorbeer, den ein kühner Denker sich umdie Stirne hätte winden sollen, für ihn zur Dornenkrone wurde.Und doch war es an der Zeit, das Wesen der Kraft neu zu prä-zisieren. Solange man ausschließlich innerhalb der Schrankender mechanischen Naturlehre verblieb, reichte man ja mit denNewtonschen Vorstellungen aus, und auch die unvermittelteFernkraft ließ man ohne Bedenken zn, wenig berührt von dergeschichtlich feststehenden Thatsache, daß dieMathematischen Prin-zipien der Naturphilosophie" vom Jahre 1637 die Fernkräfte nichtals etwas wirklich existierendes, sondern nur als eine plausibleAnnahme hingestellt hatten, deren man sich, um mit G. Kirchhofs