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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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322 XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipieulehre.

Gesichtspunkten angeregt werden, der entschließt sich schwer, zu-zugeben, daß irgend ein neuer Gedanke nicht schon irgend einmalfrüher gedacht, daß er einexroles sine matrs orsatg." sei. BeiFaraday müssen wir wohl oder übel dieses Zugeständnis machen.Gewiß ist der Ausgangspunkt, den er nahm, den Versuchen ver-wandt, welche Physiker und Philosophen des 18. und 19.Jahrhundertsvielfach machten, die Newtonsche Fernewirkung durch irgend einedirekte Kraftübertragung zu ersetzen; Versuche, deren Zweck und An-lage uus M.K.H.Jsenkrahe (geb. 1844) in dem lesenswerten BucheDas Rätsel der Schwerkraft" (Braunschweig 1878) sehr gut aus-einandergesetzt hat. Wie sich dieselben aber auch im übrigen unter-einander unterscheiden mögen, das haben sie doch insgesamt gemein,daß sich der irgendwie vermittelte Anstoß in gerader Liniezwischen den beiden inBetracht kommenden Massenpnnktenfortpflanzt, gerade wie sich schon Kepler das Anziehuugszentrummit dem angezogenen Körper durch unsichtbare magnetische Fühl-säden, die von ersterem ausgehen, verbunden dachte. Und Farad aysGroßthat besteht eben darin, daß er, wenn der bald verständlichwerdende Ausdruck gestattet ist, mit dem Prinzipe der Gerad-linigkeit ein für allemal gebrochen hat.

Nur einer darf, wie Rosenberger (Die moderne Entwick-lung der elektrischen Prinzipien", Leipzig 1898) zutreffend andeutet,als ein Psadsucher und teilweise auch Pfadfinder im FaradayschenSinne bezeichnet werden, und das ist Oersted, der Entdecker desElektromagnetismus. Wo blieb die lineare Attraktion, wenn einein den Stromring eingeschaltete, ursprünglich mit diesem in derEbene des magnetischen Meridianes schwebende Nadel beim Eintrittsdes Stromes aus dieser Ebene abgelenkt wurde? Der elektrischeKonflikt, so benannte Oersted die Einwirkung der strömendenElektrizität auf den Magnetismus der Nadel, war offenbar nichtan eine bestimmte Richtung gebunden; er erfüllte vielmehr denganzen umgebenden Raum und gingin Kreisen sort"; wörtlichäußert sich der Entdecker wie folgt:Es scheint ohne diese An-nahme nicht zu begreifen zu sein, wie derselbe Teil des verbindendenDrahtes, der, unter den einen Pol der Magnetnadel gestellt, diesenach Westen treibt, sie nach Osten bewegen sollte, wenn er sich