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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Faradays System der Elektrik.

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Experimentellen Untersuchungen", auf deren unbeschreiblich hoheuWert von uns bereits hingewiesen werden mußte, lassen einen er-freulichen Einblick in den stufenweise erfolgenden Fortschritt derErkenntnis thun. Chemische Affinität und Elektrizität werden alssynonyme Begriffe definiert. Die Krümmung der Kraftlinien, diebisher nur eigentlich für den Magnetismus erhärtet war, bewiesFaraday bei Versuchen über elektrostatische Influenz undInduktion im engeren Sinne in der Weise, daß er vor den elek-trisch gemachten Körper einen Schirm aus leitendem Stoffe stellte.Ausdrücklich betont er, daß die Kraftlinien zunächst keine Realitäten,sondern nur Gedankendinge seien, um die thatsächliche Kraftrichtungals Normale einer solchen Kurve einfach ausgedrückt zu erhalten;Transversalkraft und Jnduktionskraft stehen aufeinandersenkrecht. Aber das Dielektrikum, das nicht leitende Medium,über welches eiue Betrachtung der Luftschicht zwischen elektrisch ge-ladener Wolke und elektrisch geladenem Erdboden bei GewitternAusschluß giebt, ist auch nicht gleichgiltig, denn die Induktion ver-setzt dasselbe in Spannung, und in dieser Verfassung übt es aufdie Art der Entladung seinen Einfluß aus. Erst 1846 sprachFaraday aus, daß auch das Dielektrikum einer Magnetisierungsähig sei, und zwar bewies er dies unwiderleglich durch die magne-tische Drehung der Polarisationsebene des Lichtes, ans dieja anch schon Oersted angespielt hatte. Die Aufdeckung derRichtkräfte, welchen der Magnetismus in Krystallen unterliegt,vollendete das in den Grundzügen skizzierte Bild, und das Lichttrat an vierter Stelle hinzu zu den bereits als gleich oder dochinnigst verwandt nachgewiesenen Natnrkrüften des Magnetismus,der Elektrizität und des Chemismus. Nur die Gravitation wolltesich in den so gebildeten Nahmen nicht einfügen.

Wir haben gesehen, daß Faraday mit seinen Kraftlinien,über deren mathematische Natnr er zunächst nicht nachzugrübelngeneigt war, nur als mit einem bequemen Ausknnftsmittel ope-rierte, um zu erfahren, welches für irgend einen Punkt des magne-tisch-elektrischen Feldes die wahre Kraftrichtung sei. Erst 1852,nachdem über die ausgezeichnete Verwendbarkeit dieser Hilfs-vorstellung längst kein Zweifel mehr bestehen konnte, ging er einen