Z26 XI- Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.
Schritt weiter. Etwas Thatsächliches müsse doch in den Kraftlinienenthalten sein, weil man sie doch gestaltlich verändern, ablenkenkönne; läßt man etwa im obigen Eisenseilichtbilde einen zweitenMagnetstab das Feld des zuerst vorhandenen stören, so sieht man,wie eine vollständige Umlagernng der Kraftlinien stattfindet, hervor-gerufen durch den Umstand, daß jetzt mit zwei Quell- und mitzwei Sinkstellen gerechnet werden mnß. Der große Physiker, un-bekümmert um die Vorwürfe, die ihn: etwa wegen seiner Eman-zipation von dem landläufigen Jdeenkreise gemacht werden konnten,beging das Wagnis, die Kraftlinien zu materialisieren. „Ichnehme," so lauten nach Rosenbergers Übertragung die Worte,mit denen er der alten Kraftphysik den Fehdehandschuh hinwarf,„den Magneten als ein Kraftzentrum, das von Kraftlinien um-geben ist, welche in ihrer Darstellung der Kraft durch die mathe-matische Analysis bestimmt sind, und ich halte dieselben als Physi-kalische Linien für wesentlich, sowohl für das Sein der Kraftin dem Magneten, als auch auf die Fortpflanzung und Wirkungderselben außerhalb desselben." Er hätte ruhig beifügen dürfen:Wie soll man es sich zurecht legen, daß durch Aufstreuen leichter,der Anziehung unterworfener Körper Linien in plastischer Deutlich-keit zu Tage treten, deren Natur, wenn man sie etwa mitP. H. v. Zech (1828—1893) auf ein bipolares Koordinaten-system bezieht, eine mit der des Modelles auf dem Papierblattevollkommen übereinstimmende Gleichung ergeben? Man kann sich,wenn man Faradays Art, die Natur zu befragen, mit jener ver-gleicht, die vor ihm ganz ungebrochen die Physik beherrschte, unddie anch nach ihm noch weit davon entfernt war, sich für antiquiertzn halten, des Eindruckes nicht erwehren, daß der friedliebende, jederPolemik gründlichst abgeneigte Mann als ein wirklicher Revolutionärauftrat, und wenn ihn sein Zeitalter zunächst noch nicht recht begriff,so darf man letzterem wohl keinen Vorwurf daraus machen, daß esin diese „Umwertung aller Werte" sich nicht ohne weiteres Hinein-sand. Wird doch sogar der stetige Raum selbst materialisiert,und nur dadurch konnte man, obwohl Faraday selbst dies alsnebensächlich ansah, den Zusammenhang mit den bisherigen Vor-stellungen teilweise retten, daß man die Kraftlinien, als die einzelnen