Druckschrift 
Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

gzg XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.

ziehen. Aber der entscheidende Beweis für die Unmöglichkeit warnoch nicht geführt nnd konnte dies auch erst werden, als ebendas Prinzip, von dem wir oben sprachen, in seiner Bedeutung fürdie Mechanik erkannt war.

Julius Robert Mayer aus Heilbronn (25. November 1814bis 20. März 1878) ist es gewesen, der die Bahn gebrochen undder Wissenschaft ein Mittel der Erkenntnis in die Hand gegebenhat, von dem man heute nnr nicht begreift, daß es so lange ent-behrt werden mußte, und daß auch ohne dasselbe, an welches jetzteben ununterbrochen appelliert wird, so viele wichtige Resultateaufgefunden wurden. Das Leben des Denkers, dem wir einen soweittragenden Fortschritt auf der steileu Bahn zur Wahrheit ver-danken, ist eine Verkettung tragischer Umstünde nnd liefert denBeweis, daß recht oft im eigenen Lande nnd unter den eigenenZeitgenossen der Prophet keine Geltung erringt. Mayer hatteMedizin studiert, und da er als junger Mann eine Stelle als Arztans einem Schiffe der niederländisch -indischen Kompagnie erhielt,so bot sich ihm willkommene Gelegenheit, sein Beobachtungstalentzu üben und zu schärfen. Den Anforderungen der damaligenHeilkunde gemäß mußte er häufig Blutentziehungen anwenden, undda fiel ihm auf, daß in tropischen Ländern das menschliche Bluteine andere, und zwar hellere Färbung hatte, als er dies zu Hausegesehen hatte. Gewiß eine sehr unscheinbare Veranlassung, abersie genügte, um den über alle Vorkommnisse scharf nachdenkendenMann auf den richtigen Weg zu bringen. Die von Th. W. Preyer(18411897) herausgegebenen Briefe, welche Mayer mit seinemJugendfreunde, dem berühmten Kliniker W. Griesinger (1817 bis1868), wechselte, lassen uns in das Innenleben des beginnendenForschers einen tiefen Einblick thun. Wir vermögen fast genaudas Datum zu fixieren, an welchem im Sommer 1840 dem geradeauf der Rede von Soerabaya auf Java weilenden, jungen Schiffs-doktor derGedaukenblitz" so drückt er sich selbst aus durchdas Gehirn fuhr, der . eine so nachhaltige Spur hinterlassen sollte.Ahnungsvoll schrieb er vier Jahre später diesem Freunde:JeneZeiten sind vorüber, aber die ruhige Prüfung dessen, was damalsin mir auftauchte, hat mich gelehrt, daß es Wahrheit ist, die nicht

' ^'V'^