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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Robert Mayers Entwicklungsgang.

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nur subjektiv gefühlt, sondern auch objektiv bewiesen werden kann;ob dies aber durch einen der Physik unr so wenig kundigen Mannwie mich geschehen könne, dies muß ich uatürlich dahingestellt seinlassen. Kommen wird der Tag, das ist ganz gewiß, daß dieseWahrheiten zum Gemeingute der Wissenschaft werden." Der Tagist auch gekommen, später freilich, als zu wünschen gewesen wäre,und Mayer hat dies ahnungsvoll vorausgesehen. Nur darin irrteer, daß er annahm, sein physikalisches Wissen werde ihn zur tieferenBegründung des klar vor seinem geistigen Auge stehenden Prinzipsungeeignet machen; das war nicht der Fall, wohl aber war er, als ermit seiner Entdeckung hervortrat, zu unbekannt und bei den berufs-mäßigen Vertretern der Wissenschaft zu wenig akkreditiert, umeine günstige Aufnahme vou Anschauungen erwarten zu dürfen, diegrundstürzend zu sein schienen und es auch wirklich waren, derentiefen Sinn zn erfassen damals wirklich nicht leicht gewesen seinmuß. Mancher, dem sich die Bedeutung der Zeit in der Werde-geschichte der menschlichen Erkenntnis entzieht, lächelt wohl darüber,daß die namhaftesten Physiker der vierziger Jahre Dinge nichtbegriffen, welche heutzutage jeder Schüler einer Mittelschule an-standslos versteht; er könnte mit demselben Rechte darüber lächeln,daß ein Schulknabe Rechnungen in einer Minute ausführt, zu derenBewältigung Archimedes eiuen gewaltigen Apparat von Geisteskraftin Bewegung setzen mnßte. Darin kennzeichnet sich eben die Weiter-bildung der Forschungs- und Unterrichtsmethoden, und daßMayers Darstellung seiner Ergebnisse zuerst methodisch den Ge-lehrten seiner Zeit nicht recht genügen konnte, werden wir bereit-willig einräumen dürfen, ohne dem Andenken des vielleicht origi-nellsten aller deutschen Denker zu nahe zu treten.

Schon in Tübingen hatte derselbe Lavoisiers Theorie vonder physiologischen Verbrennung eifrig stndiert; die Nahrungs-mittel unterliegen nach derselben im tierischen Körper einer lang-samen Verbrennung, und die Folge derselben ist jene tierischeWärme, die im normal-gesunden Zustande uur zwischen nicht sehrweit auseinanderliegenden Grenzen schwanken darf. Je mehrWärme der Körper nach außen abgiebt, desto intensiver muß dieinnere Verbreunung uutcrhalteu werden. In der heißen Tropen-