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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Der erste thcrmodyncninsche Hauptsatz bei Clausius,

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des Zusatzes bedürftig, daß Wärme so wenig wie Arbeit jemalsverloren gehen könne. Carnot hatte den Jdealsall ausschließlichius Auge gefaßt, daß die Arbeitserzeugung sich ohne jeden Wärme-verlnst vollziehe; ein solcher könne jedoch sehr Wohl eintreten, freilichnur in der Weise, daß die anscheinend verloren gegangene Wärmesich irgendwie wieder in Wärme umgesetzt habe. Ein Teil derbei Beibehaltung der früheren Bezeichnung im Körper ^ auf-gespeicherten Wärme geht natürlich in den kälteren Körper L überund erwärmt denselben; ein anderer Teil aber leistet direkt eine mecha-nische Arbeit. Überall, wo durch Wärme Arbeit produziertwird, wird eine dem Arbeitsquantum proportionaleWärmemenge konsumiert, und wenn ein analoges Arbeits-quantum scheinbar verbraucht wird, entwickelt sich Wärmein gleicher Menge. Diese Doppelthatsache ist seit Clausins alserster Hauptsatz der mechauischen Wärmetheorie bekannt.Für die Volumünderung eines Gases hatte die ältere, die Car-notsche Anschauung keine rechte Interpretation; nuumehr aber er-kennen wir, daß das sich ausdehnende Gas einen Widerstund über-windet, gewissermaßen eine bewegliche Wand zurückschiebt und damitalso eine Arbeit leistet, die durch eine Abkühlung der Gasmassekompensiert werden muß. Das Weseu der latenten Wärme, anderen Erklärung die kalorische Stofftheorie scheiterte, ist jetzt vonselbst klar. Führt man einem mit Eis gefüllten Gefäße Wärmezu, so schmilzt zwar der Inhalt, aber ein hineingestecktes Thermo-meter bleibt unverändert auf seiuem Stande, weil eben jetzt diemitgeteilte Wärme eine Arbeit leisten uud die zuvor nahe aneinandergelagerten Kvrperteilchen so weit voneinander entfernen muß, daßder feste in den flüssigen Aggregatzustand übergeht. Bei der Ver-dampfung geht es genau ebenso, und in beiden Fällen hat sich dielatente Wärme, die man deshalb treffender als Schmelzungs-und Verdampfungswärme bezeichnet, der Beobachtung undMessung mit dem dafür bestimmten Instrumente gänzlich entzogen.Die Wärme nahm zu; die Temperatur änderte sich nichtein Beweis dafür, daß es strenge genommen nicht erlaubt ist, diesebeiden Begriffe als gleichbedeutend zu behandeln. Auch der Unter-schied zwischen innerer und äußererArbeitist alsdann klargelegt.