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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
352
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Z52 XI. Der große Umschwung in der naturwissenschaftlichen Prinzipienlehre.

Ein unvergängliches Verdienst hat sich Clausius gleich inseiner ersten Abhandlung dadurch erworben, daß er neben denersten Hauptsatz, der ja eben nur aus den prinzipiellen Feststellungenvon Mayer und Helmholtz die Konsequenz zieht, einen zweitenHauptsatz derThermodynamik stellte, durch den das CarnotscheTheorein in die dem Urheber wohl vorschwebende, aber noch nichtbestimmt genug gefaßte Form gebracht und die Grundlage zu einerexakten Auffassung der Kreisprozesse gelegt wird. Mit Carnvtmußte er einen an sich einleuchtenden, mit jeder Erfahrung über-einstimmenden Grundsatz sormulieren, und zwar lautete dieserwiederum dahin, daß unmöglich aus freien Stücken von einemkälteren Körper L Wärme iu eiuen wärmeren Körper ^. übergehenkönne. Aber diese Annahme reicht noch nicht aus. Denken wiruns einen Kreisprozeß, so wird dem Körper dem die Temperatureignete, Wärme entzogen, und diese erleidet eine zweifache Ans-nütznng; ein Teil wird zu einer Arbeitsleistung verwendet, undein anderer Teil dient dazu, die niedrigere Temperatur tz(t>2 < ^) des Körpers L zu erhöhen; dann steht dieses letztereWärmequantum znr Größe der Maximalarbeit, welche dem Gesamt-prozesse entspricht, iu einem angebbaren Verhältnis, welches aus-schließlich von den Temperaturen t^ uud t^, nicht jedoch irgendwievon der Natur der die Vermittlung besorgenden Stoffe abhängt.Mathematisch ausgedrückt: Es ist das Arbeitsmaximum eineFunktion der Differenz (t^ t.-,), welche als CarnotscheFunktion in der Wissenschaft bekannt ist. Der ältere Satz desfranzösischen Mechanikers bildet mithin das Fundament des soge-nannten zweiten Hauptsatzes. Nur ein Jahr nach Clausius ge-laugte W. Thomson , dnrch teilweise abweichende Überlegungengeleitet, zu dein gleichen Schlüsse. Er dehnte denselben übrigensnoch weiter aus und wnrde so der Schöpfer einer gewissen kos-malogischen Lehre, welche bis auf den heutigen Tag Diskussionenin reichster Fülle ausgelöst hat. Jede Energieform kann zumTeile in Wärme verwandelt werden, und es ist nicht un-denkbar, daß einmal sämtliche Energie, die im Weltall aufgespeichertist, dieser Umwandlung teilhaftig geworden wäre. Damit ist dannaber schließlich der Ausgleich aller Wärmcdifferenzen gegeben; es