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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Die moderne Atomistik.

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Diaphragma gegen die Seite des stärker diffundierenden Gases hin,und wenn wir dasselbe in bekannter Weise mit anderen Mecha-nismen in Verbindung bringen, so kann thatsächlich mechanischeArbeit geleistet werden, und auch das Wärmegleichgewicht zwischenbeiden Gasen wird sich ändern, ohne daß irgendwie ein Aus-lösungsvorgang stattgefunden Hütte. Arbeit scheint von selbst er-zeugt zu werden. Mit gutem Grunde durfte der Begründer derangegriffenen Theorie erwidern, daß eben, sobald die Gase aufbeiden Seiten der beweglichen Trennungswand gleiche Zusammen-setzung und gleiche Temperatur ausweisen, gar keine Veränderungeintritt; sind aber die beiden Gasmassen, wiewohl gleich temperiert,ihrer Natur nach verschieden, so sind dies auch ihre inneren Be-wegungsverhältnisse, und die Summe der molekularen Stöße,welche die eine Seite des Stempels treffen, ist in gleichen Zeitengrößer als die Summe der von der anderen Seite kommendenStöße. Es wird innere Arbeit geleistet, und diese äußertsich teils in einer Veränderung der obwaltenden Temperatur-verhältnisse, teils in der Vollbringuug äußerer Arbeit.

Der gegenwärtige Abschnitt ist programmgemäß der Skizzie-rung der neuen Anschauungen gewidmet, welche im Bereiche derphysikalischen Prinzipienlehre etwa im Verlaufe der dreiJahrzehnte 1830 bis 1860 schrittweise ihre Ausbildung erhieltenund zuletzt bereits eine so gesicherte Stellung erreicht hatten, daßvon ihnen die anorganische Naturwissenschast der Folgezeit mehroder weniger suverän beherrscht wurde. Es waren dies die Kraft-linien, das Gesetz von der Erhaltung der Energie und diethermodynamische Gastheorie, welch letztere, wie sichT. V. K. Laß Witz (geb. 1848), der Geschichtschreiber der Ato-mistik, ausdrückt, die während des 18. Jahrhunderts arg verfalleneDisziplin wieder in das richtige Gleis gebracht hatte. Unter-einander hingen die neuen Errungenschaften freilich nur zumeinen Teile euge zusammen; zu einem anderen Teile fehlte es nochsehr an einer Verbindung, und namentlich stand die nahezu dyna-mische Stoffhypothese Faradays derjenigen, auf der die mechanischeWärmetheorie beruht, fremd und unvermittelt gegenüber. Geradedas Ende des Zeitraumes aber, innerhalb dessen wir uns äugen-