Altere Arbeiten über Flammenspektren.
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Der bekannte Bergmann Georg Agricola, der in seinemüber den Durchschnitt des Zeitalters weit hervorragenden Werke„vs rs instgUioa," (1556) seinen Berufsgenossen ein wertvollesHilfsbuch in die Hände gab, erklärt es in seiner naiven Weise fürwahrscheinlich, daß man aus der Färbung einer Flamme die darinverbrennende Substanz zu erkennen lernen werde. Seine Er-wartung ging in Erfüllung, aber es dauerte lange, bis die Mittelvorlagen, den richtigen Gedanken der Verwirklichung entgegen-zuführen, und auch als längst schon das Spektrum des Prismasdazu benützt wurde, tiefere Untersuchungen über das Licht anzu-stellen, dachte noch niemand daran, diesen einfachen Glaskörperzum Range eines feinen chemischen Apparates zu erheben. Ansdem richtigen Wege war Th. Melville, der im Jahre 1752 ge-färbte Flammen der prismatischen Zerlegung unterwarf nnd dieVerschiedenheit der so entstehenden Spektren bemerkte. Eine ener-gischere Annäherung an diesen gewaltigen Fortschritt bemerken wirin einer Studie des englischen Physikers W. A. Miller (1817bis 1870), die 1845 erschien und die absorbierende Wirkung ge-färbter Flammen und Gase auf das durch sie hindurchgehendeLicht prüfte. Es war der erste Versuch dieser Art und liefertenoch keine besonders in die Augen fallenden Ergebnisse. Nur eingelegentlicher Ausspruch hätte weitere Verfolgung verlohnt; Millersprach nämlich „gewissen Atmosphären" die Fähigkeit zu, einepositive Absorptionswirkung auf Licht andersartigenUrsprunges ausüben zu können. Die nach modernen Be-griffen jetzt gar nicht mehr so weit abliegende Ausdehnung dieserWahrnehmung auf die vom Sonnenspektrum dargebotenen Er-scheinungen wäre 1855 beinahe Millers Landsmanne Swan(geb. 1818) gelungen, aber wie sich dies in der Vorgeschichte großerErkenntnisfortschritte nicht selten zeigt, so hielt letzterer gerade ander Stelle an, die das entscheidende Wort nötig machte, und ent-schied sich dafür, daß es nicht angehe, die hellen Linien derFlammenspektren als durchaus mit dunklen (Frannhoferschen)Linien des Sonnenspektrums zusammenfallend anzunehmen. Direkterklärte er sogar eine solche Koinzidenz für unwahrscheinlich.Auch A. I. Ängström (1814—1874), dem späterhin eine Führer-
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