Erfindung des SpektrcilapparateS,
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Der Spektralapparat, mit dem Bunsen und Kirchhofs ihreersten großen Ergebnisse erzielten, war noch ein verhältnismäßigeinfach gebautes Instrument gewesen. Erst jetzt, nachdem sich dieNotwendigkeit sehr feiner Messungen immer mehr herausgestellthatte, gab man ihm die Gestalt, in welcher er in allen unserenphysikalischen Laboratorien zu finden ist. Eine Horizontalplatteträgt ein Flintglasprisma, dessen brechender Winkel 60" betrügt,nnd gegen dieses sind drei gleichfalls horizontal mit jener Platteverbundene Rohre a, d nnd o gerichtet, deren Achsen im Normal-zustande unter einander Winkel von 120" bilden, a trägt an demgegen das Prisma gekehrten Ende eine achromatische Sammellinseund am anderen eine den Spalt enthaltende Platte. Das Rohr lzist ein gewöhnliches Fernrohr von 8—10 maliger Vergrößerung.Das dritte Rohr o endlich besitzt am Prisma-Ende ebenfalls eineSammellinse, am anderen aber eine mit sehr feinem Maßstabeversehene Glasplatte, deren Bild, durch totale Reflexion an derVorderfläche des Prismas gespiegelt, nach der Achse von k ge-worfen wird. Der bereits erwähnte Spalt hat eine obere freieHälfte, während vor der unteren ein kleines, gleichseitiges Prismasich befindet, mittelst dessen der zu prüfende Strahl in das Rohr s.zu leiten ist. So kann es der durch das Okular von 1z blickendeBeobachter, indem er die angebrachten Schrauben geeignet benützt,dahin bringen, daß er gleichzeitig ein Stück des Sonnenspektrumsund, unmittelbar darunter, das Spektrum der Bunsen-Lampeerblickt, deren Flamme den Prüfnngskörper verzehrt. Das störendeobere und seitliche Licht wird durch ein über Apparat und Kopfgedecktes schwarzes Tuch abgehalten, nnd nun sind mittelst desMaßstabes die feinsten Einstellungen und Ablesungen ermöglicht.Freilich ist noch der Umstand hinderlich, daß die Spektrallinien garzu nahe aneinander liegen, aber auch ihm wußte Kirchhofs durcheine zweckmäßige Verbreiterung des Spektrums zu begegnen.Die von dem Rohre s, kommenden Lichtstrahlen wurden nämlichgezwungen, durch vier in einem Halbkreise angeordnete gleichseitigePrismen ihren Weg zu nehmen, und jedem Durchgange entsprachdann eine Ausdehnung des Lichtbandes und damit auch eiue Ver-größerung der Distanz der einzelnen Fraunhoferschen Linien.