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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
Seite
389
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Physiologische Anwendungen der Spektroskopie. Zgg

und weißen Blutkörperchen das richtige, quantitative Verhältnisobwaltet, vor den Spektralspalt gebracht, so nimmt auch das un-geschulte Auge ohne weiteres zwei ausgesprochene dunkle Streifenwahr, die nicht sehr weit voneinander entfernt sind. Ganz anderswird das Bild, wenn das Blut desoxydiert, sauerstoffarm ist;dann nämlich ist nur ein einziges schwärzliches Band von etwasgrößerer Breite zu sehen, dessen Lage auch mit keinem der beidenvorerwähnten Streifen übereinstimmt. Zwischen diesem modifiziertenBlut- und dem Fuchsin-Spektrum das Fuchsin oder Rubin wird durch Oxydation aus Aniliu gewonnen ist kaum ein Unter-schied zn konstatieren. Aus Stokes' durchgreifender Zergliederungder Blntspektra mußte geschloffen werden, daß der eigentliche Blut-farbstoff, Cruorin genannt, nicht an eine einzige Oxydationsstufegebunden, sondern in zwei solchen Stufen existieren kann, welchein Farbe und Spektrum voneinander verschieden, aber auch wechsel-seitiger Transformation ineinander fähig sind. Ganz das gleichegilt für das durch Säurenzusatz aus dem Cruorin darzustellendeHämatin. So sind mithin die zwei Spektrumspaare, welcheCruorin und Hämatin ergeben, zwar verwandt, aber doch auf denersten Blick leicht zu unterscheiden, indem die Anzahl der schwarzenStreifen zwischen 1 und 3 variiert. Wieder anders sieht das Blut-spektrum aus, sobald der roten Flüssigkeit eine auch nur minimaleMenge von Kohlenoxyd, das ja dem Blute des gesundenMenschen gänzlich fehlt, beigesetzt ist; damit hat man ein Mittelerhalten, Erstickung durch Kohlendampf, wie sie bei den mit Hahn-verschluß versehenen Ösen nur allzu leicht vorkommt, unzweideutigerweisen zu können. Nicht minder bringt Aufnahme der furchtbarzerstörenden Blausäure, des gefährlichstenHerzgiftes", in dasBlut eine so entschiedene Veränderung des Spektrums zuwege, daßauch in diesem Falle die Wissenschaft weit leichter als früher dieTodesursache klarzustellen im stände ist. Ganz besonders dankens-werte Dienste leistet die Spektralanalyse aber dem Gerichtschemikerdadurch, daß sie ihm das Mittel verleiht, rostbraune Flecken, diesich an Kleidern oder Instrumenten finden und ein begangenesVerbrechen zu iudizieren scheinen, auf ihre wahre Natur zu prüfen.Die Masse wird abgeschabt, gelöst und vor den zur Mikrospektro-