Schiaparellis Marskarte.
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worden, und seit Zucchis erstem Versuche (1640) sind Mars-zeichnungen häusig genug gefertigt worden. Zu den frühererwähnten Skizzen dieser Art traten nachmals die weit gelungenerenVersuche von F. Kaiser (1808 — 1872), F. I. C. Terby (geb.1846) und Proetor hinzu; Terby machte auch den Ansang miteiner areo graphischen Nomenklatur, die sich allerdings nichtgegenüber der von Schiaparelli eingeführten zu behaupten ver-mochte. Der Letztgenannte beobachtete in den sieben Monatenvom September 1877 bis zum April 1878 stetig den Planeten,der in seiner damaligen Opposition eine selten günstige Beleuch-tung aufwies, und der Merz sehe Refraktor der „Brera", der biszu 463 maliger Vergrößerung aufzusteigen gestattet, ermöglichte dieKonstruktion einer ersten Mars karte, die auf diesen Namen ge-rechten Anspruch hatte. Die Kugelfläche wurde mit einem Netzevon Meridianen und Parallelkreisen überdeck; alle sichtbarenGegenstände wurden mikrometrisch mit Bezug auf eiu immerwieder leicht aufsindbares Koordinatensystem eingemessen, uud dieeinzelnen Örtlichkeiten erhielten Namen, die aus der mythologischenGeographie des Altertums, und teilweise auch des Mittelalters,herübergenommen sind und sich bald der Billigung auch derübrigeu Marsforscher zu erfreuen hatten. Schiaparelli hieltan der Annahme fest, daß die dunkler erscheinenden Landschaftenauf das Vorherrschen von Wasser, die das Sonnenlicht stärker re-flektierenden auf das Vorwalten von Festland hinwiesen, und unterdieser überaus plausiblen Voraussetzung stellte sich eine wichtigeErfahrungstatsache heraus: Die Verteilung des flüssigen unddes festen Elementes ist auf der Oberfläche des Mars eine total verschiedene von derjenigen auf der Oberflächeder Erde. Gerade um den Äquator herum legt sich ein kom-pakter Gürtel von großen, nur durch schmale Sunde getrenntenInseln, während die südliche Hemisphäre, auf der Erde wesentlichozeanisch, nur größere Binnenmeere, in die gewaltige Halbinselnhineinragen, erkennen läßt. Die eigentümlichen weißen Flecke,welche exzentrisch zum südlichen Pole gelegen sind, hatte bereits(1734) W. Herschel als Schneeansammlnngen gedeutet, und durchSchiaparelli ist der Beweis für die Richtigkeit dieser Aussassuug