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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrophysik.

Lehrbuche des photometrischen Kalküls, welches A. Beer(18251863) im Jahre 1854 verfaßte, und nicht minder denUntersuchungen von L. Burmester (geb. 1840) über Jsophoten(Linien gleicher Helligkeit), die für die höhere Zeichnungskunst sehrwichtig geworden sind. Für die in der Astronomie vorkommendenVerhältnisse stellt sich aber freilich das Gesetz von Lambert nnrals eine ganz unzureichende Näherung dar, uud an seiner Stattoperiert die wissenschaftliche Photvmetrie jetzt nur uoch mit eiuemweitaus besser der Natur angepaßten Gesetze, demjenigen, welchesvon Seeliger nnd E.C.J.Lommel (18371899) herrührt. Wirhaben die Brauchbarkeit desselben bereits oben bestätigt gefunden,als wir der auf optischem Wege erfolgten Bestätigung der neuerenAnsichten über die Konstitution des Saturnringes Erwähnungthaten.

Photometer, Instrumente zur Lichtvergleichung, hatten, wiewir sahen, Lambert, Ritchie, Bunsen angegeben, aber derKreis ihrer Verwendbarkeit war ein rein tellnrischer. Für astro-nomische Zwecke schlug zuerst I. Herschel vor, mittelst Linsen dasBild eines künstlichen Sternes zu erzeugen uud dieses mit deinwirklichen zu vergleichen. Umfassender arbeitete in den vierzigerJahren der geniale Schwerd in Speier, der uns durch seiueReform der Gradmessuugsarbeiteu bekauut ist. Er schob in dasparallaktisch montierte Fernrohr, durch welches er deu zu prüfendenStern betrachtete, Diaphragmen ein, welche eine sich steigerndeAbblendung des Lichtes und damit eine stetige Annäherung vondessen Stärke au diejenige eines ein für allemal hergestellten künst-lichen Vergleichssternes ermöglichten. In ganz anderer Weisewußte der ältere St ein heil eben diesen Grundsatz für die Photv-metrie fruchtbar zu machen. Er teilte, gerade wie beim Heliometer,das Objektiv des Beobachtuugsfernrohres in zwei Hälften, derenjede für sich beweglich war, uud brachte an jeder einen drehbarenSpiegel an. So wurden sowohl vom Sterne als auch vom Ver-gleichsobjekte zwei nebeneinander liegende Bilder erzeugt, die maudurch eine meßbare Verschiebung des Okulars gleich hellzu machen im stände war, und eben aus dein Maße der Okular-verrückung ließ sich sodcmu schließen, wieviel mal der Stern licht-