Das Potsdamer Observatorium.
453
standen für uns die Erkenntnismittel im Vordergrunde; jetzttreten sie gegen die Resultate zurück. Doch darf wohl hier, alsam passendsten Orte, darauf hingemiesen werden, das; die Astro-physik fast noch gebieterischer als die Astronomie im eugeren Sinnedem sich ihr Widmenden die Arbeitsteilung und Arbeitsregulierungzur Pflicht macht, so daß also der Privatmann nur wenig thunkann. Eigene Observatorien sind für die zielbewußteEinrichtung des astrophysikalischen Beobachtungsdiensteseine Notwendigkeit geworden. Großbritannien besitzt einsolches vyn hohem Rufe in Kew bei London, und in Frankreich ist gleicherweise Mendon, ein Borort von Paris , durch die un-ermüdliche Wirksamkeit Janssens zu einem der Emporien dieserneuartigen Disziplin aufgestiegen. In Italien hat sich das Osssr-vatorio kcmmno unter der Leitung Secchis fast ausschließlich inderen Dienst begeben, und nebstdem sind auch von der Warte inMoncalieri, der Pater F. Denza (geb. 1834) vorsteht, vieleschätzbare Beobachtungen ausgegangen. Auf deutschem Boden er-hob sich die erste rein astrophysikalische Anstalt, die Schöpfungeines weitschauenden Gönners der Wissenschaft, auf dem inSchleswig-Holstein gelegenen Gute Bothkamp eines Kammerherrnv. Bülow, der auch in der Wahl der von ihm bestellten Obser-vatoren, H. C. Vogel und Lohse, eine sehr glückliche Hand be-kundete. Beide gingen spater über an das großartige Jnstitnt,welches Preußen um die Mitte der siebziger Jahre auf demTelegraphenberge bei Potsdam ins Leben rief. Von demArchitekten Spieker planvoll erbaut, wnrde dasselbe, für welchesim Volksmunde der Ausdruck „Sonnenwarte" üblich ist, im Jahre1879 bezogen und einerseits der Astro-, andererseits der Geophysik(Meteorologie und Erdmagnetismus) überwiesen, indem anch zu-gleich das unter Helmerts Leitung gestellte Geodätische In-stitut damit in Verbindung trat. Was seitdem an dieser denk-würdigen, musterhaft mit allem notwendigen Rüstzeuge der Wissen-schaft ausgestatteten Stätte für die physische Astrouomie geschehenist; zeigen deren Annalen und die Namen der seit zwanzig Jahrenhier wirkeuden Forscher, eines Vogel, Lohse, G. Müller,Wilsing, I. Scheiuer (geb. 1858) u. s. w.