Die Protuberauzen.
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geleitet, direkt als Beugungserscheinungen ohne objektiveGrundlage an. Nicht wesentlich anders dachte E. Plantamonr(1815—1882) uoch im Jahre 1860, während bei derselben Ge-legenheit — es handelte sich um die Finsternis, die in Spanien ihre Totalität hatte — Gautier vom Gegenteile überzeugt wurde.Eine Entscheidung war so lange nicht zu bewirken, als man sichvon dem Medium der vollkommenen Sonnenfinsternisse abhängigwnßte; seit 1870 aber konnte man sich von diesem erschwerendenUmstände befreien, indem Zoellner, Janssen und Lockyer dasSpektroskop derart verbesserten, daß die Protnberanzen zujeder beliebigen Tageszeit untersucht werden konnten.Von da ab häuften sich selbstredend die Forschungsresnltate.Man maß die, wie oben gesagt, ungeheure Höhe der Auswüchse;L. Trouvelot will eine solche von 3 Bogenminuten Hohe erblickthaben, und das würde dem fünften Teile des Svnnenhalbmesfersgleichkommen! Daß die Protuberauzen nicht irgendwie an dieRotation der Sonne gebunden seien, wie anfänglich hin und wiedergeglaubt ward, wies P. Tacchiui (geb. 1838), hervorragenderitalienischer Astrophysiker und Herausgeber des der „Soeietg. äe^IiLpsotroseoxisti Italmni" dienenden Publikationsorganes, über-zeugend uach. Bald gewann man die Erkenntnis, daß nicht allediese Gebilde völlig gleichartig sind, und indem Spoerer undSecchi, jeder für sich, den unverkennbaren Unterschied mittelst desSpektralapparates aufklärten, stellten sie fest, daß es flammig-metallische und Wasserstofs-Protuberanzen giebt, von denendie letzteren ein ganz markantes Vorwiegen der Wasserstofflinie anden Tag legen. Sie sind eben, wie Kempf betont, eruptiv,während die mehr ans Metalldämpfen sich zusammeusetzeudenProtuberauzen der ersteren Gattung wolkige Gebilde darstellen.Was es mit einer von Tacchini entdeckten dritten Gattung, derenLicht nicht rötlich, sondern weiß erscheint, auf sich hat, ist einst-weilen noch eine offene Frage; vielleicht deckt sich ihre Natnr mitderjenigen der dem Anscheine nach nicht direkt aus dem Sonnen-rnnde hervorbrechenden, sondern frei schwebenden Protnberanzen,deren Spektrum Spoerer durch die sehr helle Maguesiumliuietypisch gekennzeichnet fand. Nach Fenyi und Schaeberle sind