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XIV. Die Astrophysik,
die explosiven Wasserstoffentladungen, die mit einer — nach derVerzerrung der Spektralstreifen abzuschätzen — rapiden Geschwindig-keit nach außen streben, im Wesen nichts anderes als auch diegewöhnlichen Koronastrahlen, zerstreuter Wasserstoff in mehroder weniger konzentrierter Staubform. Es ist vou jenenAstronomen ersichtlich das im achten Abschnitte erwähnte Dopp lerscheGesetz verwertet worden, welches besagt, daß die Lichtwelle des demBeobachter sich nähernden Leuchtkörpers eiue Verkürzung, diejenigedes vom Beobachter sich entfernenden Leuchtkörpers eine Verlänge-rung erfährt; da nun die Länge der Lichtwelle den Ort im Spek-trum festlegt, so ist notwendig mit der Veränderung des Ortesin der Gesichtslinie eine Biegung der Linien des Spektrumsim einen oder anderen Sinne verbunden. Mehr hierüber wirdbei den Fixsternen zu sagen sein; aber auch für die genauere Be-stimmung der Umdrehungsdauer der Sonne hat sich die hiermiterläuterte Verwendung des Spektroskopes nützlich erwiesen.
Über die Planeten, welche nur mit erborgtem Sonnenlichteleuchten, konnte dieses Instrument keine allzn unerwarteten Auf-schlüsse liefern. H. C. Vogels 1874 herausgegebene Schrift überdie Planetenspektren ist noch immer die Hauptquelle unseres ein-schlägigen Wissens, doch haben auch B. S. Ball und Lohse(1892 und 1894) wichtige Beiträge hierzu erbracht. Die bekanntenLinien des Sonnenspektrums finden sich allenthalben vor, danebenjedoch auch solche, die wir von unserer irdischen Lufthülle herkennen, uud die dafür sprechen, daß die Planeten durchwegvon ziemlich dichten Atmosphären umgebeu sind; in den-selben scheint Wasser dampf vertreten zu sein, und zwar ist diesdurch kräftige Ab^vrptionsbänder am sichersten erwiesen für Venns,während für Mars , den wir uns ja doch als einen großenteilsmit Wasfer bedeckten Planeten vorstellen, die fpektroskopische Er-kennbarkeit des Wasserdampfes von Campbell geleugnet werdenwollte. Auch für Jupiter, Saturn und Uranus ist die An-wesenheit von Wasserdämpfen überans wahrscheinlich gemacht; dasRingsystem des Saturn freilich bekundet keine Anzeichen einerAtmosphäre, wohl weil es überhaupt nicht als kompakter Körperzu betrachten ist. Dies folgt auch aus deu von Seeliger dis-