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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Atmosphären der Trabanten.

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kurierten Spektralbeobachtungen von Keeler und Campbell, dieaber allerdings der Hypothese, daß eine größere Anzahl flüssiger,voneinander getrennter Ringe um den Zentralkörper rotiere, nichtwidersprechen würden. Die größten Unterschiede gegenüber demSpektrum der Sonne weist dasjenige Neptuus mit seineu breiten,durch Absorption entstandenen Banden auf. Sehr ähnlich inmeteorologischer Hiusicht scheint unserer Erde Jupiter zu sein,dessen atmosphärischer Normalzustand, wie Pickerings Beobach-tuugeu während der günstigen Opposition von 1892 lehrten, dasVorherrschen einer dichten weißeu Wolkendecke ist, während ingrößerer Höhe viel feinere Wölkchen, Cirrusbildungen, schweben.Starke Eigenbeweguugeu iu der Jupiteratmosphäre, von deneuSt. Williams sogar neuu regelmäßige Systeme unterscheidet, er-schweren die spektroskopische Bestimmung der Umdrehungszeit desPlaneten und bewirken mutmaßlich auch die starken Schwanknngeuder Helligkeit des selbst beweglichen roten Fleckes. Auch inBezug auf die plauetarischeu Mondsysteme konnte die spektral-analytische Ausbeute keiue sehr beträchtliche sein. Erwähnung ver-dient, daß Pickering aus einer Veräuderuug, welche das Spek-trum des Jupiter iu dem Augenblick erfuhr, da der Plauet hinterder Scheibe des Mondes verschwand, auf ein Vorhandensein vonWasserdampf und damit also auch vou Lust auf der rück-wärtigen Mondhemisphäre schloß. Daß dieser mit Rücksicht aufLuft und Wasfer eine von der sichtbaren Halbkugel ganz ver-schiedene Natnr eignen könne, hatte W. Valentiner aus gauzanderen Gründen angedeutet. Er verwies auf die bereits zuerstvou Kant geahnte, von Hansen uud M. Gussew (1826 bis1866) durch gute Argumente gestützte Thatsache, daß der Schwer-punkt des Mondes nicht in dessen geometrischen Mittelpunkt,sondern in die jenseitige Trabantenhälfte fällt; dadurch rage dieandere gewissermaßen bergartig empor und entbehre schon deshalbeiner dichteren Atmosphäre. Für diesen Mangel lassen sich aberauch, wie der Schluß des Abschnittes zu erörtern haben wird,kosmogonische Motive ius Gefecht führen.

Sehr viel neues Licht haben die verfeinerten physikalischenUntersuchuugsmethodeu über die Kometeu verbreitet. Die ersten

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 30