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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrophysik.

spektroskopischen Aufnahmen dieser Weltkörper gehören dem Jahre1864 an, und Huggins. Donati und Secchi waren es, dieden neuen Zweig der kometarischen Astronomie begründeten. Nichtlange nachher erregte Zoellners Kometenwerk (Über die Naturder Kometen; Beiträge zur Geschichte und Theorie der Erkenntnis",Leipzig 1872, 1875, 1883), welches übrigens weit über den eigent-lichen Gegenstand hinaus- und in eine Menge anderer Wissens-gebiete übergreift, berechtigtes Aufsehen, zumal als W. Zenker ineiner Gegenschrift die Kometenschweife als die nach Art derRaketen fortgetriebenen Dämpfe des durch Bestrahlung aufgelöstenKernes definierte. Zo ellner hatte, wie nachmals auch H. Kayserbekräftigte, jedenfalls darin recht, daß er auf Grund des Spektral-befundes den Kometenkörper als eine Bildung von Kohlenwasser-stoffverbindungen ansah, nnd nicht minder bleibt ihm daSVerdienst, die sonderbare, mit dem sonstigen wissenschaftlichen Rufeihres berühmten Urhebers kaum in Einklang zu bringende Hypo-these Tyndalls beseitigt zu habeu, welcher zufolge die Schweifeaktiuische Wolken sein sollten, wie sie etwa entstehen, wennman Sonnenlicht auf ein mit Amylnitrat gefülltes Glasrohr fallenläßt. Endlich hat sich auch in unserer Zeit mehr und mehr dieZoellnersche Ansicht ausgebildet, daß bei dem Phänomen derSchweifbildung ein elektrisches Sonnenpotential stark beteiligtsei, welches man allerdings auf sehr verschiedene Arten zustandegekommen denken kann. Werner Siemens nahm z. B. die kon-tinuierlichen Ströme feinst verteilter Materie dasür in An-spruch, die der Sonnenkörper in seinen Polargegenden an sichziehen und an seinem Äquator wieder in den Weltraum hinaus-schleudern soll. Mit am eingehendsten hat der russische AstronomF. Bredichiu (geb. 1831) die Verhältnisse der Schweifbilduuguntersucht, indem er ebenfalls von Bessels Lehre von der im Kometenthätigen polaren Kraftwirkung ausging. Er teilte die Schweifenach drei Typen ein, deren rein morphographische Selbständigkeitauch von Denen zugegeben wird, die in theoretischer Hinsicht eineranderen Meiuuug huldigeu. Bredichin setzt die Repnlsivkraft,welche die Teilchen nach dem alten Apianschen Erfahrungssatzevon 1531 in den Raum hinaus treibt, am größten beim spezifisch