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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrvphysik.

daß aller Erfolge ungeachtet die Schweifsterne noch immer als diemysteriösesten unter den Gliedern unseres Sonnensystemes anzu-sehen sind.

Auch die Heller glänzenden Meteore haben sich der spektro-skopischen Analyse nicht entzogen. Da die Zeit, während derenein solcher kosmischer Herumtreiber sichtbar ist, niemals nach anderenEinheiten als nach Sekunden bemessen werden kann, so darf mansich nicht auf eiue ordnungsmäßige Beobachtung am Apparate ver-lassen, sondern man muß ähnlich wie bei den früher besprochenenBlitzen zu einem Taschen- oder Meteorspektroskope seineZuflucht nehmen, wie ein solches unter anderem von J.Browning(um 1870) angegeben worden ist. Dasselbe funktioniert so rasch,daß sein Erfinder damit sogar die Spektren geworfener Leucht-kugeln erkennen und darin die verglühenden Metalle Barynm undStrontium aufzeigen konnte. Zumal wenn man ungefähr dieRadiationsstelle am Himmel kennt und deshalb das Jnstrumentchengleich richtig stellt, gelingt in überraschend kurzer Frist eine ziemlichgroße Zahl vertrauenswürdiger Bestimmungen. Browning bestätigteA. Herschels Angabe, daß wenigstens die Kerne der Meteoreein wesentlich kontinuierliches Spektrum besitzen, während inden häufig erstere begleitenden Schweifen, die nach Galle vorüber-gehend den Eindruck von Kometen erwecken können, eine helle gelbeLinie erscheinen kann; bei den Perseiden ist letztere fast die Regel,bei den Leoniden seltene Ausnahme. Auch Secchi erkannte 1868in Meteorschweifen deutlich die Magnesiumlinie. Seit 1893 istdas Inventar der Meteoritenforschung durch Elkin und Lockyerauch mit Photogrammen von Sternschnuppen und mitPhotographien von Meteoritenspektren bereichert worden.Im letzteren Falle fiel die Ähnlichkeit mit dem Sonnenspektrumauf; am klarsten traten die Eisenlinien hervor, aber auch andereElemente waren in den beiden von Lockyer untersuchten Fällenin gar nicht geringer Anzahl vorhanden. Man wird einräumenmüssen, daß ein Photogramm vor dem Browningschen Verfahren,das ja nur einen Notbehelf abgiebt, unbedingt den Vorzug ver-dient, und daß das linienlose Spektrum sich auch bei den Meteo-riten, deren Licht nur für Augenblicke festzuhalten war, in ein