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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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XIV. Die Astrophysik.

Belfast, L. Gully zu Rouen und E. Hartwig auf der BambergerSternwarte gemacht, aber nur von diesem letzteren verfolgt undin ihrer wissenschaftlichen Bedeutung richtig gewürdigt wurde.Der neue Ankömmling stand exzentrisch im Andromeda-Nebel undwuchs von der neunten rasch zur siebenten Größe empor, um dannbald wieder zu verblassen. Das Spektrum erschien anfänglichkontinuierlich, aber R. Copeland (geb. 1837; mit BoergenAstronom derGermania "-Expedition von 1869) vermochte durcheine besondere Wahl des brechenden Winkels seines Prismas dreihelle Banden der Lage nach genau zu bestimmen. Man hättenun freilich meinen können, der neue Stern habe von Hause ausgar nichts mit dem Nebel zu thun, in den er rein optisch, durchdie von unserem Auge bewirkte Projektion auf die Himmelskugel,geraten wäre, allein bald überzeugte man sich, indem man namentlichPrüzedenz- und Aualogiefälle auffand, daß beide auch räumlichzusammengehörten, und daß da mithin ein sehr interessanter Belegfür die Herausbildung eines wirklichen Sternes auseiner Nebelmasse vorlag. Der viel besprochenen Nova derAndromeda ward 1892 von Th. D. Anderson eine Kollegin inder Nova Aurigae znr Seite gestellt, die auf einer kurz zuvorvon M. Wolf aufgenommenen Photographie fraglicher Himmels-stelle noch nicht enthalten und also doch wohl in ganz kurzer Zeitbis zur sünften Größe emporgewachsen war. Und Lichtschwächekonnte gewiß nicht an diesem negativen Erfolge des photographischenVerfahrens die Schuld tragen, denn durch dieses hatte der Heidel-berger Astrophysiker im vorhergehenden Jahre einen großen, bisherunbekannten Nebel mit dem Sterne ^ Orionis als Mittelpunktentdeckt, einen gewaltigen Wirbelnebel, zu dessen Fixierung aller-dings eine 51/2 stündige Exposition erforderlich gewesen war.

Die sogenannten planetarischen Nebel, die von ihm zurKlasse der Ringuebel gerechnet werden, konnte Schein er mitHilfe des Photogrammes, das auch an lichtschwächeren Objektenziemlich viele Einzelheiten hervortreten ließ, schärfer analysieren.Ein Helles Zentruni in Gestalt eines Sternes ist fast stets vor-handen, und selbst dann gilt diese Mittelpnnktseigenschast, wennder zentrale Stern zu schwach leuchtet, um im Fernrohre gesehen