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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Erdrotation und Horizontalciblenkunz.

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von Gleichgewicht und Bewegung fester, flüssiger und gasförmigerKörper nebst Wellenlehre und Akustik aufzunehmen sein, uud daßauch die Thermodynamik hierher gehört, wird nach den Darlegungendes zehnten Abschnittes nicht als zweifelhaft betrachtet werdenkönuen. Nnr die Wärmestrahlung würde strenge genommen mitder Lehre vom Lichte zusammengefaßt werden müssen, und weunwir deshalb auf diese Vereinigung verzichten, so machen wir uns,im Interesse der älteren Systematik, einer kleinen Inkonsequenzschuldig. Deun die Optik kann heutzutage vom Elektromagnetismusuicht mehr getrennt werden; beide gehören- unzertrennlich zusammen.Und damit ist also das Programm für die Geschichte der nenerenund neuesten Physik vorgezeichnet.

Die Mechanik sah in dem Jahre 1850, mit welchem uusereGeschichtserzählung beginnen soll, einen großen Fortschritt sichvollziehen, der zugleich der Astronomie und wissenschaftlichen Geo-graphie zu gute kam. Unter diesem letzteren Gesichtspunkte wurdediese an der Grenzscheide unserer beiden Hauptzeiträume stehendeEpisode bereits im sechsten Abschnitte berührt; nunmehr ist derZeitpunkt da, nm ihre Bedeutung einer allgemeinen Würdigungzu unterziehen. Wiederholt hatten im 17. und 18. Jahrhundertscharfe Beobachter ein irgendwie in Bewegung gesetztes SenkelBewegungen ausführen sehen, die wohl auch gelegentlich mitder Erdumdrehung in ursächliche Verbindung gebracht wordenwaren, aber erst der französische Physiker I. B. L. Foucault wurde durch den zufällig bemerkten Umstand, daß er eine inden Rotationsapparat eingeklemmte Stahlschiene in eigenartigeSchwingungen geraten sah, darauf geführt, einer übersichtlicherenAnordnung des Experimentes nachzugehen, durch welches dieKombination einer rotatorischen und einer schwingenden Bewegungdargestellt werden sollte, und so trat vor die erstaunte Welt derberühmte Foucanltsche Pendelversuch, von dem man soforteinsah, daß er noch besser, als es mit Hilft der bereits bekanntenFall- uud Ablenkuugserscheinungen geschehen konnte, densinnenfälligen Beweis für den ersten Hauptsatz des Copper-uicus erbrachte. Man ließ einen schweren Körper an einemlangen Faden schwingen, indem mau zugleich um möglichste Fern-