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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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498 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

Arbeit zu übertragen, hatten von je schon neben den herkömmlichenrechnerischen Methoden auch die darstellenden ausgebildet, wieja auch die deskriptive Geometrie von Monge zu Anfangdes Jahrhunderts recht eigentlich aus den Bedürfnissen der Praxisherausgewachsen war. Moebius' durchaus auf konstruktiverGrundlage beruhendesLehrbuch der Statik" (Leipzig 1837) zeigteder neuen Richtung den Weg. In Form eines festen Lehrsystemeskonsolidierte dieselbe jedoch erst der Rheinpfälzer K. Culmann(18211831), der durch seine Stellung als Professor der Jn-genieurwissenschaften an dem jungen eidgenössischen Polytechnikumzu Zürich die Bedürfnisse der Ausübung gründlich kennen gelernthatte. Die graphische Statik, so benennt sich seitdem die neueDisziplin, erhielt durch ihn 1866 ihren ersten Lehrbegriff, der be-sonders durch die allseitige Verwenduug der von der sogenanntenGeometrie der Lage dargebotenen Hilssmittel an Vollendungungemein gewonnen hatte; indessen hat I. Banschinger (1334bis 1894) später (1880) gezeigt, daß man auch mit rein elemen-taren Hilfsmitteln gute didaktische uud andere Erfolge erzielenkann. Die Bezeichnung selbst findet sich erstmalig gebraucht 1863in einer kleinen Schrift (Über Wellen und Achsen") von Culmannsdamaligem Züricher Kollegen, dem später so bekannt gewordenenF. Reuleaux (geb. 1829). Die Graphostatik lenkte auch erstwieder die allgemeinere Aufmerksamkeit auf das von Cousineryschon in den dreißiger und vierziger Jahren in Anregung ge-brachte, dem Praktiker überaus nützliche graphische Rechnen,welches nunmehr den richtigen Platz innerhalb seines Gebietes an-gewiesen erhielt. Man ist nenerdings sogar bis zum graphischenDifferentiieren und Integrieren fortgeschritten, und ans demgraphischen Kalknl hinwiederum entsprangen handliche Vorrichtungenohne die heute vielbeschäftigte Zahlenrechner, also in erster ReiheAstronomen und Geodäten, ihren Pflichten kaum mehr nachzukommenvermöchten. Dahin gehört vor allem der logarithmische Rechen-schieber, dem schon 1843 L. K. Schulz von Straßnitzky(180318S2) Eingang zu verschaffen bemüht war, und den 1873K. v. Ott (geb. 133S) in einer den Anforderungen des Praktikersmöglichst entgegenkommenden Weise beschrieb. Für schwierigere