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XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.
nismus übergegangen, der nach F. Grashof (1823 — 1896) dannzu einem Getriebe wird, wenn eines der beweglichen Glieder denBewegungsimpuls liefert. Nicht darf, trotz der übereinstimmendenEtymologie, mit der Kinematik verwechselt werden die Kinetik, dienichts anderes als eine auf exakte Unterlagen gegründete Atomen-lehre ist und gleichmäßig die mechanische Wärmetheorie, wie auchdie Physikalische Chemie beherrscht.
Ein anderer Zweig der mathematischen Physik, der aus derStatik hervorgewachsen ist und dieser so lange als Bestandteil zu-gerechnet ward, bis er sich selbständig machte, ist die Potential-theorie, deren Anwendung heutzutage die deutbarst vielseitigegeworden ist. Astronomie und Geophysik haben u. a. deshalb diemannigfaltigste Förderung erfahren, weil nur Potentialbetrachtungenermöglichen, die von einem beliebig gestalteten Körper aufeinen Massenpunkt oder auch auf einen anderen Körperausgeübte Anziehung zu berechnen. An und sür sich kannjedes beliebige Anziehungsgesetz in die hierfür aufzustellendenFormeln eingeführt werden, allein die natürlichen Verhültuissebringen es mit sich, daß die Natnrwissenschaft — die reine Mathe-mathik ist daran nicht gebunden — fast ausschließlich mit demNewtonschen Gravitationsprinzipe operieren muß. Eineuugemein reiche Litteratur verknüpfte sich insbesondere mit demProbleme der Attraktion eines Ellipsoides; haben doch alleuns bekannten Weltkörper diese Gestalt, so daß also die Mechanikdes Himmels unmittelbar verpflichtet ist, sich für diese Ausgabe zuinteressieren. Nachdem I. Jvory (1765—1842) durch sein vielbesprochenes Neduktionstheorem gezeigt hatte, wie in einfachsterWeise das Potential eines homogenen Sphäroides für einen äußerenPnnkt ermittelt werden kann, wenn man bereits dasjenige füreinen ans der Oberfläche selbst gelegenen Punkt kennt, gaben inden vierziger Jahren Lejeune Dirichlet und Chasles ihredurch außerordentliche Eleganz ausgezeichneten Lösungsmethoden,der erstere auf ueuem analytischem, der andere auf dem aus derNewtonschen Zeit wohl bekannten synthetischen Wege, den geradein diesem Falle ein Laplace für unbetretbar erklärt hatte. Aufandere Körper übertrugen die neueren analytischen Methoden