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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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514 XV. Die mechanischen Disziplinen in der neuesten Zeit.

lachers, von den Strombautechnikern sehr geschätztem Werke überElbe und Donau (1881) vorgeschlagenen Jso lachen oder Liniengleicher Strömungsgeschwindigkeit erhält man ein klares Bild vonder Verteilung der Geschwindigkeiten zu beiden Seiten des Strom-striches, längs dessen das Maximum erreicht wird.

Mit den Messungen hat sich in neuester Zeit auch die Theorieverbunden, um den nichts weniger denn einfachen Strömungsprozeßzu analysieren und von den oft verwickelten BewegungsverhültnissenKunde zu erhalten. Die Annahme, daß die sogenannten Strom-fäden sämtlich parallele Gerade oder auch nur sämtlich paralleleKurven seien, läßt sich selbst in dem einfachsten Falle nicht aufrechterhalten, wenn das Wasser in regelmäßig prismatischem Gerinne,und mit nur ganz geringem Gefalle, ruhig dahinfließt. Die ein-zelnen Stromfäden nehmen nach I. Thomson (1878) stets einespiralige Gestalt an, und M. E. K. Moeller (geb. 1854) hat(1883) diese Thatsache mit dem Zusätze bestätigen können, daß zweivom Stromstriche symmetrisch-gleich abstehende WasserteilchenSpiralbewegungen von gleichem symmetrischem Charakter beschreiben,indem jedoch eine von ihnen das Spiegelbild der anderen darstellt.Nebenher sind stets auch Wirbelbewegungen von horizontalgerichteter Achse vorhanden, welche einen Ausgleich zwischen denverschiedenen Geschwindigkeiten oben und unten herbeiführen wollen.Es leuchtet ein, daß durch die Notwendigkeit, auch diesen nichtsweniger denn einfachen Bewegungsformen gerecht zn werden, dertheoretischen Hydrodynamik schwierige Aufgaben gestellt sind. DiesenWissenszweig hat unter dem rein mathematischen GesichtspunkteH. Lamb (geb. 1349) in einem systematischen Werke (1879), dasauch in uusere Sprache übergegangen ist, abgehandelt, aber selbst-redend genügt keine noch so elegante Diskussion der einschlägigenDifferentialgleichungen für die Vielgestaltigkeit der bei der Be-trachtung der Natnrgewässer hervorgetretenen Probleme. GanzHervorragendes leistete für die Hydraulik mit dem Bestreben,der reinen Theorie und der Wirklichkeit gleichmäßig Rechnung zutragen und so zu wirklicher Einsicht in den Bewegungsvorgangdurchzudriugen, V. I. Boussinesq (geb. 1842), dessen von derPariser Akademie unter die vonauswärtigen Gelehrten" einge-