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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Die Wirbelthcorien in moderner Auffassung.

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(Abschnitt X) thätig gewesen, und über die Strudel der Donanhatte (1781 und 1791) der Jesuit I. Walcher (Abschuitt VI)gelehrte Werke verfaßt. Aber mit der praktischen Erörterung derEinzelfälle hatte die theoretische Einsicht nicht gleichen Schritt ge-halten, und sie war auch, die Wahrheit zu sagen, nicht beträchtlichgesördert worden durch den Umstand, daß dereinst (1637) Car-tesius ein kühnes System auf die Annahme des WirbelnS einerunwägbar feinendritten" Materie begründet und damit eineSchule begründet hatte, deren Anhänger erst gegen die Mittedes folgenden Jahrhunderts, wie die Namen Joh. Bernoulli,A. Cavalleri und B. de Fontenelle darthun, allmählich aus--starben. In exakt wissenschaftlichem Geiste, ohne jede Beimischungnaturphilosophischer Nebenabsichten, war freilich schon I. Newtonin seinem berühmten Werke von 1687 an die Lehre von denWirbeln herangetreten, aber sein Vorgehen blieb für lange einvereinzeltes und unverstandenes. Indessen war auch seine Definitiondes Wirbels eine spezielle, indem nnr an eine kreisförmig-rotatorischeBewegung der Flüssigkeit gedacht ward. Dann tritt eine langePause ein, bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts die von Max-well uud W. Thomsou aufgestellten Hypothesen über die Wirbel-zustände der Materie eine zusammenhängende Bearbeitung dieserArt von Bewegung zur Notwendigkeit machten. Es war Helm-holtz, der dem Rufe der Wissenschaft folgte, und in der Haupt-sache sind die Kenntnisse, welche uns jetzt bezüglich der Wirbel zurVerfügung stehen, in den Abhandlungen jenes großen Forschersenthalten. Im Jahre 1858 erschien die erste derselben, nnd seitdemist ihr Autor noch mehrfach auf die Sache zurückgekommen. Dieflüssige Masse, in der ein Teil bewegt wird, soll inkompressibelund reibungslos sein; alsdann ist es nach Helmholtz unmöglich,daß ein Flüssigkeitsteilchen in eine rotatorische Bewegung gerät,wenn es nicht von Anfang an an einer solchen teilnahm. Waraber letzteres der Fall, so haben sich Wirbellinien herausgebildet,deren Tangente allenthalben mit der momentanen Rotationsachsedes am Berührungspunkte befindlichen Teilchens zusammenfällt,und wenn man für ein Flächenelemeut alle die zugehörigen Wirbel-linien konstruiert, so erfüllt deren Gesamtheit einen sogenannten