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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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529
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Luftwiderstand und Ballistik.

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des kleinsten Widerstandes verleihen; die einschlägigen Be-rechnungen wurden zuerst von dem schwedischen Admirale F. H.v. Chapman (17211808) vorgezeichnet, und ihm folgten 1866Grnnert, 1387 F. W. A. August (13401899) und um die-selbe Zeit A. G. Greenhill (geb. 1847). Zur Erforschung desMaßes, in welchem die von dem bewegten Körper verdrängteAtmosphäre dessen Bewegung verzögert, gab K. H. Schellbach(18051892) einen zweckdienlichen Apparat an, mit dessen HilseM. F. Thiesen (geb. 1849), dem auch eine Theorie des Wind-stoßes zu danken ist, umfängliche Bestimmungen vornahm. Eineneue, sehr gründliche Arbeit über Luftwiderstand rührt serner(1880) von G. F. Recknagel (geb. 1835) her, der auch sonstnoch zum öfteren auf diese vielgestaltige Aufgabe zurückgekommen ist.Man darf sich noch lange nicht am Ziele glauben, denn noch immerist die analytische Behandlung der Bewegung krummflächig be-grenzter Körper in der Luft mit mancherlei Schwierigkeiten ver-knüpft; so gelang es noch nicht, die Bewegungsverhältnisse desoriginellen Wurfholzes Bumerang ganz befriedigend zu erklären,welches bei den australischen Wilden nnd, in minder vollkommenerForm, bei vorderindischen und amerikanischen Naturvölkern, zu denmeist gebrauchten Waffen gehört. Die wissenschaftliche Ballistik istin neuerer Zeit besonders durch General v. Otto, Siacci, Miegund allernenestens durch K. Crantz zur selbständigen Wissenschafterhoben worden.

Nächst dem Luftwiderstande kommt auch die Reibung derGase als ein verzögernder Faktor in Betracht. Auch sie kann,nicht minder wie bei den tropfbaren Flüssigkeiten, eine äußereund innere sein, uud auch das oberste Gesetz, von welchem siesich abhängig zeigt, ist das gleiche geblieben. Der Lehre von derGasreibung näher zu treten, ergab sich Veranlassung, als Grahamzu Anfang der fünfziger Jahre den Ausfluß der Gase ausKapillar röhren näher untersuchte und fand, daß hier kein all-gemein giltiges Gesetz vorliege, sondern daß die besondere Natnrder strömenden elastischen Flüssigkeit einen gewissen Einfluß äußere.Die Meinung I. C. Jamins (18181886), es liege ein ganzähnlicher Vorgang, wie bei der Diosmose der Gase, in Mitte,

Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 34