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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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Wärmestrahlung und Wärnieleitung.

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Diathermansie für gesichert, während sein Widerpart das imzwölften Abschnitte besprochene Kirchhoffsche Gesetz vvn der Be-ziehung zwischen Emission und Absorption auch aus die Wärme-lehre übertrug uud das anscheinend minimale Verschluckuugs-vermögen darauf zurückführte, daß Steinsalz nur eine ganz bestimmteArt von Wärmestrahleu, die unter gewöhnlichen Verhältnissennicht so leicht zur Beobachtung gelangten, in sich zurückhalte.Die Wahrnehmungen, welche F. H. de la Provostaye (1862 bis1863) uud P. Q. Desains (18171885) machte», lassen sicheher mit dem Magnusschen Ergebnisse vereinbaren. Übrigensgiebt es, wie nachher R. Frauz und Tyndall bewiesen, nichtminder auch relativ diathermane Flüssigkeiten, und bei ein-fachen Gasen ist überhaupt der durch innere Bindung erfolgendeJntensitätsverlust der Wärmestrahleu ein unbedeutender. Sogardie Dämpse besitzen einen hohen Grad von Durchgängigst fürstrahlende Wärme, und wenn Tyndall dies besonders für Wasser-dampf in Zweifel zog, so darf man wohl mit Magnus undH. Bufs (18051878), der seit 1876 diese Fragen zusammen-hängend bearbeitete, als Grund für die auch bei jener Dampf-gattung zu Zeiten hervortretende, stärkere Absorption den Umstandverantwortlich inachen, daß sich im Apparate selbst bereits eineKondensation zu feinen Wassertropfen angebahnt hatte.

Daß Strahlung und Leitung der Wärme zwei durchausverschiedene Vorgänge seien, war seit der Zeit, da Leslie seinebekannten Gruudversuche augestellt hatte, eine unwidersprocheneZache. Die Würmeleitung in festen Körpern hatte man theoretisch- uach Fourier und Poisson, sowie experimentell gründlichstudiert, aber freilich war man dabei vvn der Annahme aus-gegangen, daß der in Betracht gezogene Körper isotrop sei, daßsich also der Wärmeimpuls nach allen Seiten ganz gleichmäßigfortpflanze. In Krystallen verhält es sich anders; die Fläche,bis zu welcher die Wärme von einem gegebenen Ausgangs-puukte aus in gleiche» Zeiten fortgeleitet wird, ist im allgemeinenkeine sphärische mehr. Hierüber Klarheit zu erhalten, erfandenH. H. de Senarmont (18081862) und P. M. E. Jannetaz(geb. 1832), dieser mit besonderer petrographischer Beziehung auf